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07.09.15 14:02 Alter: 2 Monat(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport, Jugend / Schüler
Von: Reinhard Köchl

U 16-Block-DM Lübeck: Bayern drücken den nationalen Titelkämpfen ihren Stempel auf

Bayern ist Block! Man kommt nicht umhin, die Deutschen Blockmeisterschaften der Altersklasse U 16 in Lübeck am Wochenende unter dieses Motto zu stellen. Das, was der weißblaue Nachwuchs da in der Hansestadt ablieferte, gab es in der Geschichte der bayerischen Leichtathletik wahrscheinlich noch nie. Gleich sechs von insgesamt 14 zu vergebenden Titeln gingen in den Freistaat, wovon allein die LG Stadtwerke München vier Mal Gold mit an die Isar brachte. Ein fürwahr sensationelles Ergebnis!


Glücksgefühle pur: Über den Medaillenregen bei den Deutschen U 16-Block-Meisterschaften freuen sich (von links) Trainer Andreas Bücheler, Selina Dantzler, Deninse Jaeschke, Irís Herbst, Elisabeth Hafenrichter, Amalie Korn, Trainerin Caroline Harder und München Ost-Abteilungsleiter Otto Zelger.

Der Hahn im Medaillenkorb: Mit Jil Maurice Gorzawsky holte sich auch ein Junge der LG Stadtwerke München einen DM-Titel.

Den Titel im Block Lauf brachte Cem Boz mit nach Oberfranken. Es ist der größte Erfolg eines Hofer Leichtathleten seit Jahren. Foto: Wilhelm Sörgel

Über beide Backen strahlten nach der Siegerherung im Block Lauf der M 14 Bronzemedaillengewinner Florian Zeitler (links) und Überraschungsmeister Cem Boz (rechts). Foto: Günter Mayer

Freude pur: Cem Boz mit seiner Trainerin Birgit Brosche.

Johanna Berrens schaffte das Kunststück, ihren Titel aus dem Vorjahr in der W 15 verteidigen zu können. Foto: Theo Kiefner

Doch damit nicht genug: Darüber hinaus gab es für bayerischen Vereine noch ein Mal Silber und zwei Mal Bronze sowie einige Platzierungen knapp neben dem Treppchen, die allesamt zu der Hoffnung Anlass geben, dass der Freistaat doch nicht ganz zur "Mehrkampf-Diaspora" verkommt. Bleibt nur die Frage, was die verantwortlichen Trainer mit ihren multipel begabten "Schätzen" planen. Tatsächlich eine Karriere im Sieben- oder im Zehnkampf, wie es sich bei einigen durchaus anbieten würde, oder doch eine Spezialisierung auf eine "Schokoladen-Disziplin"? Die Basis für eine gute Entwicklung ist durch die qualitativ hervorragende vielseitige Ausbildung auf jeden Fall schon gelegt.

Die Keimzelle der hervorragenden Nachwuchsarbeit bei der LG Stadtwerke München liegt zweifelsohne beim Mitgliedsverein TSV München Ost. Dort bekommt die Leichtathletikabteilung regelmäßig Zuwachs aus einer prosperierenden Kindersportschule (KISS), die Talente werden dann ebenso fachkundig wie einfühlsam von ihren Trainern Andreas Bücheler, Caroline Harder und Otto Zelger mit sämtlichen leichtathletischen Bewegungsformen konfrontiert. Weil die "Ostler" im U 14- und auch im U 16-Bereich nicht etwa eindimensional trainieren, sondern die jungen Sportler vielmehr gleichermaßen im Laufen, Werfen, Springen und Sprinten schulen, durften sie mit einem bärenstarken Team die Resie vom Süden in den Norden der Republik antreten. Wer jedoch die am Ende des Wochenendes zu Buche stehen Erfolg prognostiziert hätte, den hätten wahrscheinlich selbst die optmistischen Münchner Trainer als unheilbaren Spinner bezeichnet.

Klar: Auf Selina Dantzler ruhten durchaus die Hoffnungen. Immerhin hatte die wurfstarke Athletin bereits 2014 in Mönchengladbach ihre erste Deutsche Meisterschaft im Block Wurf der Altersklasse W 14 geholt. Ein Jahr später gelang es ihr nun, dieses Coup zu wiederholen. Mit 2799 Punkten konnte der 15-Jährigen am Samstag niemand das Wasser reichen. Als Basis für Gold dienten natürlich ihre bärenstarken Leistungen mit der Kugel und mit dem Diskus, wo sie diesmall 13,82 Meter und 38,92 Meter erzielte. Dabei war Dantzler mit ihrem Kugelergebnis gar nicht zufrieden. Anfang August hatte sie noch bei der Einzel-DM in Köln, wo sie Platz zwei belegte, sogar noch mehr als einen Meter weiter gestoßen. Außerdem brauchte die junge Münchnerin noch 13,34 Sekunden für die 100 Meter und 12,88 Sekunden für die 80 Meter Hürden, im Weitsprung standen 4,89 Meter zu Buche.

Die Freude war natürlich groß, dass Selina Dantzlers ärgste Konkurrentin um den Titel aus dem eigenen Lager kam: Amalie Korn holte sich mit 2716 Punkte Silber (unter anderem 12,56 Sekunden über 80 Meter Hürden und 12,98 Meter mit der Kugel) und machte den Münchner Doppelsieg perfekt. Als Zehnte trug Luise Wieland mit 2561 Zähler zu dem glänzenden Mannschaftsergebnis bei.

Wer die gerade einmal 14-jährige Denise Jaeschke bei den Bayerischen U 16-Meisterschaften in Aichach beobachtet hatte, wo sie mit 5,62 Meter bei Gegenwind eine herausragende Weitsprungleistung ablieferte und auch den Hürdensprint mit 12,07 Sekunden klar beherrschte, der wusste, dass die Nachwuchshoffnung der LG Stadtwerke München auch in Lübeck eine tragende Rolle spielen würde. Zwar waren es diesmal "nur" 5,35 Meter im Weitsprung und 12,27 Sekunden über 80 Hürden, jedoch komplettierten ihre 1,60 Meter im Hochsprung, 31,35 Meter mit dem Speer sowie 13,19 Sekunden über 100 Meter einen Blockwettkampf Sprint/Sprung, dem in der Altersklasse W 14 an diesem Tag niemand gewachsen war. Mit 2785 Punkten lag Denise Jaeschke um mehr als 100 Zähler vor der Zweiplatzierten. Ihre Teamkollegen Iris Herbst verpasste als Vierte mit sehr guten 2641 Punkten Edelmetall in der Einzelkonkurrenz nur um ganze 13 Punkte.

Am Ende des ersten Tages gab es dann freilich noch die perfekte Zugabe für die jungen Münchner Überfliegerinnen. Zwei Einzelsiege durch Selina Dantzler und Denise Jaeschke, einmal DM-Silber durch Amalie Korn sowie 2600-Punkte-Ergebnisse für Iris Herbst und Elisabeth Hafenrichter im Block Sprint/Sprung der Klasse W 15 (2649) auf den Einzelrängen vier und fünf: Mit diesem starken Team-Ergebnis sammelten die Athletinnen der LG Stadtwerke München stolze 13 590 Punkte und holten den Mannschaftssieg. Zur deutschen U 16-Bestleistung, gehalten vom TSV Bayer 04 Leverkusen und dem Team Erfurt, fehlten lediglich 68 Punkte.

Eine Klasseleistung bot im Block Sprint/Sprung der W 15 auch Emily Haupt (LAC Quelle Fürth). Sie holte mit exzellenten 2749 Punkten Bronze (unter anderem 12,69 Sekunden über 100 Meter und 12,39 Sekunden über 80 Meter Hürden) und verpasste Silber nur um ein mickriges Pünktchen.

Dass die LG Stadtwerke München auch bei den Jungen einige herausragende Talente besitzt, unterstrich am Sonntag Jil Maurice Gorzawsky im Block Sprint/Sprung der M 14. Sein DM-Titel mit fantastischen 2920 Punkten nach einem megaspannenden Wettkampfverlauf darf mit Fug und Recht als kleine Sensation bezeichnet werden. Gorzawsky bestach durch eine verblüffende Ausgewogenheit seiner Leistungen und hatte nach 12,14 Sekunden über 100 Meter 11,27 Sekunden im Hürdensprint, 5,95 Meter im Weitsprung, 1,72 Meter im Hochsprung und 39,64 Meter im Speerwerfen anzubieten.

Johanna Berrens verteidigt Block Lauf-Titel, Cem Boz verblüfft die Konkurrenz

Sie galt schon vor dem erstem Startschuss als die erste Goldanwärterin und wurde dem Druck der Favoritenrolle dann auch voll gerecht: Johanna Berrens (SV Steinheim) hatte ebenso wie Selina Dantzler auch in der W 14-Klasse im Vorjahr den Block Lauf-Titel gewonnen. Nun in Lübeck legte die zierliche Schwäbin im Vergleich zu ihrem Auftritt in Mönchengladbach 2014 noch einmal 142 Punkte drauf – ein Gesamt-Ergebnis von 2736 Punkten bescherte ihr das nächste DM-Gold.Natürlich bildete eine gute Zeit über 2000 Meter (7:17,14 Minuten) den Grundstock für den erneuten Erfolg. Doch auch in den anderen Disziplinen offenbarte Johanna Berrens keine Schwachstelle: 12,71 Sekunden über 100 Meter, 12,94 Sekunden über 80 Meter Hürden, 5,01 Meter im Weitsprung und 51,00 Meter mit dem Schlagball.

Zwei Bayern auf dem Treppchen: An diesem Wochenede in Lübeck wahrlich keine Seltenheit. Dennoch überraschte die Art und Weise, wie Cem Boz (LG Hof) den Titel im Block Lauf der M 14 einheimste. Mit einem erstaunlichen Nervenkostüm ausgestattet, marschierte der 14-Jährige durch die fünf Disziplinen - 11,85 Sekunden über 100 Meter, 11,44 Sekunden über 80 Meter Hürden, 5,20 Meter im Weitsprung, 62,50 Meter im Ballwurf und 6:57,90 Meter über 2000 Meter. Der Lohn der Mühen waren 2695 Punkte sowie die Goldmedaille. Den bayerischen Triumph perfekt machte noch Florian Zeitler (LG Würm Athletik), der sich mit 2610 Zählern Bronze schnappte.

Trotz eines Platzes unmittelbar neben dem Treppchen (Rang vier) im Block Wurf der M 14 freute sich Fabian Olbert (Kirchheimer SC) über sein tolles Auftreten und das Schlussresultat von 2789 Zählern. Zufrieden sein durfte auch Tristan Emig (TSV Schwabmünchen). Er wurde im Block Sprint/Sprung der Klasse M 15 guter Achter (2952).