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18.02.18 19:30 Alter: 215 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport
Von: Reinhard Köchl

Hallen-DM Dortmund Tag zwei: Christina Hering schnappt sich vierten Indoor-Titel in Folge

Projekt erneute Titelverteidigung erfolgreich abgeschlossen: An Christina Hering (LG Stadtwerke München) kam auch 2018 in der Halle keine andere deutsche 800-Meter-Läuferin heran. Obwohl die Münchnerin gerade erst einen grippalen Infekt ausgestanden hatte, holte sie sich in Dortmund zum vierten Mal in Folge Gold bei den Deutschen Hallenmeisterschaften. Überraschend Bronze gab es für Dreispringer David Kirch (LG Stadtwerke München).


Mit einem Lächeln auf den Lippen genießt Christina Hering (rechts) ihren vierten deutschen Hallen-Titel.

David Kirch (rechts) neben Europameister Max Heß (Mitte) und Benjamin Bauer (links) auf dem Treppchen der Deutschen Hallenmeisterschaften - wer hätte das gedacht? Fotos: Theo Kiefner

Die insgesamt vier Medaillen für bayerische Sportler - am Samstag gewannen Clemens Bleistein (LG Stadtwerke München) über 3000 Meter und Maximilian Bayer (MTV 1881 Ingolstadt) über 60 Meter Hürden jeweils Silber - sind eine mehr als magere Bilanz. Aber gemessen an der Zahl der Athleten aus dem Freistaat, die überhaupt die Reise nach Nordrhein-Westfalen antraten, stellt dies fast schon wieder einen positiven Aspekt dar. Natürlich waren Hoffnungsträger wie die 800-Meter-Jahresbeste Katharina Trost (LG Stadtwerke München) oder Sprint-Hoffnung Kathrin Fehm (ESV Amberg) erkrankt, andere Medaillenkandidaten wie Dreispringer Paul Walschburger und Hochspringer Tobias Potye (beide LG Stadtwerke München) hatten einfach Pech. Aber generell gibt die erschreckend geringe Resonanz aus Bayern auf die Deutschen Hallenmeisterschaften durchaus Anlass zur Sorge. Auch wirkte sich das Fehlen der LG Telis Finanz Regensburg, die in den zurückliegenden Jahren für einige Medaillen unterm Hallendach gesorgt hatte und diesmal den längeren Strecken auf der Straße den Vorzug gibt, negativ aus.

Christina Hering war nach ihrem geglückten Coup in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle dennoch überglücklich. Zum vierten Mal in Folge holte sie sich in überzeugener Weise den nationalen Titel über die vier Hallenrunden in 2:06,93 Minuten vor Tanja Spill (2:07,07 Minuten, LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) und Jana Reinert (2:07,49 Minuten, LG Region Karlsruhe). Eine derartige Serie hat es bei den 800 Metern der Frauen in der Halle seit 1991 nicht mehr gegeben. Die WM-Halbfinalistin von London setzte sich unmittelbar nach dem Start an die erste Position und gab diese bis zum Ende nicht mehr ab. "Jetzt kann ich zufrieden die Vorbereitung auf den Sommer starten", meinte die 23-Jährige. "Der vierte Titel in Folge bedeutet mir sehr viel. Ich wollte unbedingt gewinnen und habe mir sehr viel Druck deswegen gemacht. Und es hat auch jeder von mir erwartet, dass ich gewinne. Ich war in der vorletzten Woche krank und konnte die ganze Woche nicht trainieren. Mir geht es jetzt zwar wieder gut, aber ich habe es schon noch gemerkt. Ich bin stolz drauf, dass ich es am Ende so durchgezogen habe und dass der Vorsprung am Ende gereicht hat. Es war ziemlich eng, ich habe darauf vertraut, dass ich auf der Zielgerade stark bin. Aber das Rennen hätte nicht länger sein dürfen."

Im Dreisprung hatten eigentlich alle auf Paul Walschburger (LG Stadtwerke München) getippt, der hinter Europameister Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) auf dem zweiten Rang der Meldeliste stand. Doch der 19-jährige Wahl-Münchner haderte einmal mehr mit seiner Technik und belegte in der Endabrechnung mit 15,20 Meter nur den siebten Rang. Doch die Trainingsgruppe von Coach Richard Kick verfügt über so viel Potenzial, dass bei einem Ausfall automatisch ein anderer einspringen kann. So hatte Walschburgers Dauerkonkurrent und Trainingspartner David Kirch diesmal einen Sahnetag erwischt. Mit neuer persönlicher Bestleistung von 15,62 Meter und einem stabilen, ausgeglichen Wettkampf gelang Kirch ein unerwarteter Coup. Hinter Heß, der standesgemäß mit 16,84 Metern den Titel holte, und dessen Trainingsgefährten Benjamin Bauer (LAC Erdgas Chemnitz; 15,82 Meter) schnappte sich der Neu-Münchner Bronze.

Nichts wurde es aus der erhofften Medaille auch für Hochspringer Tobias Potye. Beim Munich Indoor in der Vorwoche hatte er seine Saisonbestleistung noch auf 2,22 Meter geschraubt und selbst bei 2,26 Metern nur ganz leicht die Latte touchiert. Als Zweiter der Meldeliste reiste er deshalb hochmotiviert zu den Titelkämpfen nach Dortmund. Doch nach fehlerfreien Versuchen über die Einstiegshöhen scheiterte er drei Mal – wenn auch hauchdünn – an 2,14 Metern und wurde somit Vierter. Für eine Medaille hätten es an diesem Sonntag mindestens 2,18 Meter sein müssen, eine Höhe, die Potye in diesem Jahr bereits vier Mal übersprungen hatte. Der Titel ging mit überragenden 2,30 Meter an Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Silber sicherte sich Martin Günther (VfB Stuttgart 1893) mit 2,18 Meter. Mit selber Höhe gewann Bastian Rudolf (Dresdner SC 1898) Bronze. Andreas Plößl (SWC Regensburg) wurde Sechster mit übersprungenen 2,00 Metern.

Ansonsten herrschte in den Ergebnislisten gähnende Leere, was bayerische Teilnehmer anbelangt. Außer den 200-Meter-Läufern Moritz Hecht (G Forchheim), der in der Addition von A- und B-Finale einen respektablen siebten Rang in 22,63 Sekunden belegte, und Julia Hofer (1. FC Passau), die im Vorlauf nach 24,88 Sekunden die Segel streichen musste, sowie Dreispringer Patrick Lutzenberger (LG Stadtwerke München; Neunter mit 14,18 Metern) gab es am Sonntag keinen weiteren Starter aus dem Freistaat.