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05.02.18 15:58 Alter: 107 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport, Jugend / Schüler
Von: Reinhard Köchl

Bayerische Hallen-MS U 20/U 16 Fürth: Sprinter setzen die Ausrufezeichen

Wer die Meldelisten sorgfältig studiert hatte, der wusste schon vorab, wo bei den diesjährigen Bayerischen Hallenmeisterschaften der Nachwuchsklassen U 20 und U 16 in Fürth die Schwerpunkte liegen würden: im Sprint. Dabei ragten sowohl Corinna Schwab wie auch Nick Kocevar mit jeweils einem Doppelsieg heraus. Auch U 18-Kugelstoß-Weltmeisterin Selina Dantzler bewies, dass sie auch in der U 20 das Maß aller Dinge ist. Im U 16-Bereich machten erneut einige Talente auf sich aufmerksam.


Die Form stimmt: Corinna Schwab überraschte in Fürth als 60-Meter-Siegerin. Später kam auch noch der Titel über 200 Meter hinzu.

Ebenfalls Doppelsieger auf den Sprintstrecken, wenn auch nach einigen Diskussionen: Nick Kocevar.

Ihr kann auch in der U 20 niemand das Wasser reichen: Kugelstoßerin Selina Dantzler. Alle Fotos: Theo Kiefner

Die Leistungen in der Fürther Quelle-Halle konnten sich in der Tat sehen lassen – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen. Wobei der Zweifach-Triumph von Nick Kocevar (TSV Bad Endorf) am seidenen Faden hing. Während der vorjährige U 18-WM-Fünfte über 100 Meter im 60-Meter-Finale noch eine Demonstration seiner Extraklasse vollführte und mit bärenstarken 6,93 Sekunden vor Tim Wermuth (TG Kitzingen; 7,04 Sekunden) und Michael Gabel (LG Landkreis Aschaffenburg; 7,10 Sekunden) Gold holte, gab es über 200 Meter erheblichen Diskussionsbedarf. Hier hatte der Oberbayer im festen Glauben, dass die Sieger des Vorlaufes automatisch weiterkommen, im ersten Rennen viel zu früh einen Gang zurückgeschaltet. Doch weil es sich um „Zeitvorläufe“ handelte, sah er sich mit 22,84 Sekunden plötzlich nicht im Finale. Nur der Umstand, dass beim kompletten dritten Vorlauf die Zeitnahme ausfiel und dieser dann automatisch zu einem gleichberechtigten B-Finale aufgewertet wurde, verdankte es Kocevar, dass er doch noch einmal ran durfte. Auf Bahn vier stürmte er in 21,92 Sekunden zu seinem zweiten Titel. Hinter ihm kamen Raffieu Deen Johnson (TSV Penzberg) und abermals Tim Wermuth (beide 22,68 Sekunden) gleichberechtigt auf den zweiten Rang.

Sie ist ganz klar die beste Nachwuchsprinterin Bayerns, EM-Silbermedaillengewinnerin 2017 mit der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel und Deutschen U 20-Meisterin über 400 Meter. Dass Corinna Schwab (TV 1861 Amberg) jedoch auch über die 60 Meter allen Spezialistinnen bei den Titelkämpfen den Schneid abkaufen kann, überraschte in Fürth doch ein wenig. Ohne Meldezeit, nur mit einer Sonderstartgenehmigung überhaupt für den Wettbewerb zugelassen, deklassierte die 18-Jährige in starken 7,60 Sekunden im Finale die gesamte Konkurrenz über die kurze Sprintdistanz. Platz zwei ging an die U 18-Jugendliche Svenja Pfetsch (SC Vöhringen; 7,70 Sekunden), während Marina Scherzl (LG Kreis Dachau; 7,71 Sekunden) Dritte wurde. Weniger überraschend war dann der Ausgang des 200-Meter-Finals, das Schwab mit starken 23,96 Sekunden vor Scherzl (24,96 Sekunden) für sich entschied. Achselzucken rief die Tatsache hervor, dass die beiden anderen Finalteilnehmerinnen überhaupt nicht antraten und so zumindest eine Bronzemedaille verschenkten.

Lepplsack bleibt unter 50 Sekunden

Aufhorchen lässt auch die 400-Meter-Zeit des neuen Bayerischen U 20-Hallenmeisters Arne Lepplsack (LG Stadtwerke München), der die zwei Hallenrunden in starken 49,05 Sekunden zurücklegte. Silber ging an Julian Kaiser (SpVgg Auerbach-Streitheim; 51,43 Sekunden) und Bronze an Samuel Düsel (LG Bamberg; 53,65 Sekunden). In der weiblichen U 20 gingen dagegen nur ganz zwei Mädchen über 400 Meter in die Startblöcke, obwohl zehn in der Meldeliste standen. Siegerin wurde hier Sonia Ortner (LG Würm Athletik) mit 58,85 Sekunden vor Eva Korb (TB Jahn Wiesau; 63,41 Sekunden).

Ebenfalls hervorzuheben waren die Leistungen im Hürdensprint, wo es vor allem in der männlichen U 20 hauchdünne Entscheidungen gab. Hier lag Lukas Moser (LG Stadtwerke München) mit 8,50 Sekunden nur um die Winzigkeit einer Hundertstelsekunde vor Leon Khavvam (LAC Quelle Fürth, 8,51 Sekunden). Auch der Dritte Nick Samuel (LG Sempt) kam mit 8,55 Sekunden nur unwesentlich später ins Ziel. Wesentlich klarer war das schon die Medaillenverteilung über 60 Meter Hürden bei der weiblichen U 20, wo sich Angela Stockert (SpVgg Auerbach/Streitheim) mit 8,82 Sekunden vor Miriam Backer (TSV Zirndorf; 9,21 Sekunden) und Anja Stephan (TV Hauzenberg; 9,30 Sekunden) den Titel schnappte.

Wie überhaupt die Jungs an diesem Samstagnachmittag in Fürth für die nötige Spannung sorgten. In der 4 x 200-Meter duellierten sich das Quartett des LAC Quelle Fürth (Joshua Unger, Niclas Floth, Leon Khavvan und Nils Dannenberg) auf der Zielgerade mit der TG Kitzingen, um schließlich hauchdünn mit 1:33,05 zu 1:33,34 Minuten die Oberhand zu behalten. Dritter wurde die Startgemeinschaft SWC Regensburg/Schierling/Schwandorf (1:35,89 Minuten). Wesentlich klarer fiel dagegen der Sieg des MTV 1881 Ingolstadt (Kathrin Göbel, Mona Mayer, Sofie Nixdorf und Lena Kain) in der weiblichen Jugend U 20 mit 1:42,82 Minuten vor dem LAC Quelle Fürth (1:44,30 Minuten) und dem SWC Regensburg (1:48,56 Minuten) aus.

Überragende Selina Dantzler

Eine Klasse für sich waren bei den Landestitelkämpfen in Mittelfranken einmal mehr die starken Kugelstoßer aus der Landeshauptstadt, allen voran U 18-Weltmeisterin Selina Dantzler. Mit 15,12 Meter erzielte sie eine neue persönliche Bestleistung (die sie tags darauf in Rochlitz sogar auf 15,52 Meter schraubte) und holte sich mit großem Abstand vor ihrer designierten Nachfolgerin, der erst 15-jährigen Cassandra Bailey (beide LG Stadtwerke München; 12,76 Meter) Gold. Auf Platz kam hier Verena Gröll (LG Eckental) mit 10,63 Meter. Einen weiteren Münchner Doppelsieg gab es in der männlichen U 20 durch Amadeus Waluga (15,36 Meter) und den ebenfalls erst 15 Jahre jungen Alexander Schaller (13,40 Meter), die vor David Wiertz (TuS Pfarrkirchen; 13,31 Meter) landeten.

Das Ausrufezeichen bei den Läufern setzten ohne Zweifel die neuen Titelträger über 1500 Meter. Während sich Susanne Brünnig (LG Landkreis Kelheim) nach vorheriger perfekter Tempoarbeit von Lisa Schuster mit einem furiosen Sololauf in 4:35,13 Minuten auf den vierten Platz der deutschen Hallenbestenliste katapultierte (vor Jana Vollert, TG 48 Schweinfurt, in 4:46,50 Minuten und Lisa Basener, MTV 1881 Ingolstadt, in 4:46,93 Minuten), lieferten sich Florian Bremm (TV Leutershausen) und sein Fast-Namensvetter Benedikt Brem (LG Telis Finanz Regensburg) ein Duell auf des Messers Schneide. Mit dem besseren Ende für Bremm, der auf der Zielgeraden Brem in 4:04,51 zu 4:04,76 Minuten niederrang. Ebenfalls noch auf das Treppchen kam Valentino Masi (LG Hof) als Dritter in 4:09,16 Minuten. Die Titel in der männlichen  und weiblichen U 18 gingen an Paul Feuerer (1. FC Passau; 4:18,62 Minuten) vor Dominik Seib (LG Bayerwald; 4:32,19 Minuten) und Moritz King (MTV 1881 Ingolstadt; 4:35,98 Minuten), sowie an Hanna Bruckmayer (TV Altötting; 4:56,27 Minuten). Sie konnte Sophia Fröhlich (TV Bad Kötzting; 5:01,90 Minuten) und Franziska Dempwolf (TuS Geretsried; 5:26,13 Minuten) hinter sich lassen.

Hoffnungsträger im Stabhochsprung

Der Stabhochsprung kann nach einigen Jahren wieder einige echte Hoffnungsträger aufweisen. Einer heißt Oliver Naaß (TV 1860 Gunzenhausen), ist 17 Jahre alt und schwang sich in Fürth über bemerkenswerte 4,60 Meter (vor Leonard Neuhoff, TSV 1880 Wasserburg, mit 4,00 Metern und Samuel Vogl, SWC Regensburg, 3,60 Meter). In der weiblichen Klasse sind es gleich mehrere, und zwar allen voran die neue Bayerische Meisterin Noemi Rentz (TSV Gräfelfing), die 3,55 Meter überquerte und damit Julia Zintl (LG Stadtwerke München) und Anna Sailer (LAC Quelle Fürth), die beide 3,40 Meter meisterten, in die Schranken verwies. Im Hochsprung floppte Benedikt von Hardenburg (LG Landkreis Roth) über 1,95 Meter, während im Dreisprung mit Lukas Moser (LG Stadtwerke München) ein neuer Hoffnungsträger aus der Schule von Altmeister Richard Kick heranwächst. Ihm gelang ein Hop-Step-Jump auf 14,37 Meter, womit er seinen Trainingskollegen Timur Luzius (12,98 Meter) auf Distanz hielt. In der weiblichen Jugend U 20 reichten der Favoritin Jasmin Maxbauer (LG Eckental) 11,33 Meter zum Sieg vor Vanessa Neubauer (FC Aschheim; 11,19 Meter) und Pia Gutsmiedl (TV Eggenfelden; 10,98 Meter). Im Weitsprung verkörperte die U 18-Jugendliche Mara Barwitzki (LG Eckental) mit einem Satz auf 5,58 Meter das Maß aller Dinge. Zweite wurde Katharina Vogl (TSV Peißenberg; 5,46 Meter), auf Rang drei landete mit Sophie Ochmann (5,40 Meter) die nächste Eckentalerin.

Dominik Idzan eine Klasse für sich

Mit Dominik Idzan (LG Stadtwerke München) reift eines der größten Kugelstoß-Talente in der Münchner Trainingsgruppe von Andreas Bücheler ebenfalls zu nationaler Klasse heran. Am Samstag gelang dem 15-Jährigen ein ungefährdeter Titelgewinn in der M 15 mit 16,86 Meter, tags darauf gelang ihm in Rochlitz mit 18,08 Meter sogar ein neuer Bayerischer M 15-Hallenrekord. Nils Rößler (SWC Regensburg) kam dahinter noch auf respektable 15,54 Meter. Damit hielt er sich Lukas Beste (LAC Quelle Fürth), der auf 14,13 Meter kam, vom Leib.

Alicia Inhofer (TV Bad Kötzting) macht auch in der W 15 dort weiter, wo sie im Jahr zuvor aufhörte. Bei den Landes-Hallentitelkämpfen in Fürth durfte sie sich zwei Mal Gold, umhängen lassen, und zwar über 60 Meter flach, wo sie knapp in 8,04 Sekunden vor Mona Mark (LG Augsburg; 8,05 Sekunden) und Caprice Krämer (ESV Amberg; 8,11 Sekunden) ins Ziel kam, sowie über 60 Meter Hürden. Hier siegte sie in 8,92 Sekunden. Bei den M 15-Jungs hießen die Sprintsieger über 60 Meter flach Johannes Wiesinger (LG Festina Rupertiwinkel; 7,43 Sekunden) sowie über 60 Meter Hürden Levi Kullen (LG Stadtwerke München; 8,59 Sekunden).

Den Titel im Hochsprung bei den Jungs holte sich Roman Jocher (TSV Königsbrunn) mit 1,77 Meter, und auch bei den Mädchen ging die Meisterschaft nach Schwaben: Sophie Scharfensteiner (LG Zusam) war mit 1,62 Meter die Beste. In der Weitsprunggrube katapultierte sich Lilian Heid (DJK Hammelburg) auf 5,42 Meter und mit Lena Zintl (LG Stadtwerke München) steht schon die nächste der Stabhochspringer-Familie Zintl in den Startlöchern. Diesmal schwang sie sich als neue Titelträgerin über 3,15 Meter. Einen neuen Bayerischen Hallenrekord für die Altersklasse W 14 schaffte schließlich Julia Rath (TSV Penzberg) über 2000 Meter. Als W 15-Siegerin blieben die Stoppuhren für sie bei 7:07,19 Minuten stehen.