Lindehalle und Olympiastützpunkt als Zwischenstation auf dem Weg zur U 20-EM

Am Donnerstag fällt in Novi Sad der erste Startschuss bei den U 20-Junioren-Europameisterschaften. Auf dem Weg nach Serbien machte die deutsche U 20-Nationalmannschaft für zwei Tage Station in München, um letzte Trainingseinheiten zu absolvieren und sich als Team auf das bevorstehende Großereignis einzustimmen.

Hochrangiges Podium: Dietmar Chounard, David Storl, Karl Rauh, Reinhard Köchl, Corinna Harrer, Klaus Pohlen (v.l.n.r.)

Der Bayerische Leichtathletik-Verband nutzte die Gelegenheit zu einer Pressekonferenz, in dem zwar die U 20-Europameisterschaften das Hauptthema waren, aber auch über Perspektiven für die deutsche und bayerische Leichtathletik geredet wurde.Als Gesprächspartner standen der für die U 20/U 23 zuständige Bundestrainer Dietmar Chounard, BLV-Präsident Karl Rauh, der Leiter des Olympiastützpunkts Bayern, Klaus Pohlen, sowie als Repräsentanten der Mannschaft David Storl (LAC Erdgas Chemnitz) und Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) zur Verfügung. Moderiert wurde die Konferenz vom BLV-Pressereferenten Reinhard Köchl.

In der Werner-von-Linde-Halle und auf dem danebenliegenden Gelände herrschte am Montag ein reger Trainingsbetrieb der besten deutschen Nachwuchsathleten im Alter von 18 bis 20 Jahren - schon das allein war Grund genug, die Pressekonferenz in der Halle neben dem Olympiastadion abzuhalten. „Ich wäre froh, wenn wir jeden Tag dieses Volumen an Trainern und Athleten hier hätten“, sagte BLV-Präsident Karl Rauh in seinen Begrüßungsworten. Es sei eine Ehre, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband München für diesen Zwischenstopp vor der EM ausgewählt habe: „Und es zeigt auf, dass wir hier in der vor drei Jahren mit einem großen finanziellen Kraftakt umgebauten Werner-von-Linde-Halle hervorragende Möglichkeiten haben.“

Rauh erwähnte, dass acht Athleten und Athletinnen der DLV-Mannschaft für Novi Sad angehören und damit fast ein Zehntel des Teams stellen. In den Stützpunkten München, Fürth und Regensburg werde zwar gute Arbeit geleistet, aber die Tatsache, dass viele erfolgreiche Nachwuchssportler von kleineren Vereinen kommen, verband der BLV-Präsident mit dem Hinweis, dass die zentralen Strukturen ausbaufähig seien: „In einem Flächenstaat wie Bayern ist das nicht einfach.“ OSP-Stützpunktleiter Klaus Pohlen griff das Thema auf und unterrichtete über Aufgaben und Infrastruktur des Olympiastützpunkts Bayern. Später erläuterte Karl Rauh auch noch seine Pläne, nach dem Vorbild anderer Bundesländer eine Ausbildung von Sportlern bei der Polizei zu erreichen und eine Bayerische Sporthilfe ins Leben zu rufen.

München sei diesmal ein idealer Standort vor der Abreise zu den U 20-Europameisterschaften gewesen, betonte Nachwuchs-Bundestrainer Dietmar Chounard. Er gab Einblicke in die „nicht sehr einfache Logistik“ für solche Meisterschaften, für die Planungen schon 18 Monate vorher beginnen. In Novi Sad gehören der DLV-Mannschaft 128 Personen an, 93 junge Sportler und Sportlerinnen werden von 35 Trainern und Betreuern begleitet. Eine Frage an den Bundestrainer konnte nicht ausbleiben: Weshalb die deutsche Leichtathletik trotz der vielen Medaillen bei den internationalen U 18-, U 20 und U 23-Meisterschaften nicht so erfolgreich bei den Männern und Frauen sei. Dietmar Chounard erklärte, dass es gerade in der Leichtathletik ein Problem sei, für junge Athleten eine soziale Absicherung zu bieten, Studien- und Ausbildungsplätze zu vermitteln. Man müsse Zwischenlösungen für einige Jahre finden. Die Leichtathletik sei vor allem wegen ihrer Vielfalt „ein schwieriges Geschäft“, und übrigens der DLV sei auf internationaler Ebene einer von den wenigen Verbänden, die alle 47 olympischen Disziplinen fördere.

 

Als Repräsentanten der Starter in Novi Sad standen bei der Pressekonferenz zwei herausragende Vertreter ihrer Altersgruppe Rede und Antwort: Kugelstoßer David Storl, der in diesem Jahr den U 20-Junioren-Weltrekord schon mehrfach verbesserte, inzwischen bis auf sagenhafte 22,73 Meter, und der selbst mit der Männerkugel mit 20,43 Metern auch die Norm für die Weltmeisterschaften erfüllt hat, sowie Corinna Harrer, die derzeit beste deutsche Juniorin auf den Mittelstrecken 800 und 1500 Meter. Der hünenhafte Sachse David Storl, der einen Tag nach der U 20-EM seinen 19. Geburtstag feiern kann, betrachtet seine klare Favoritenstellung in Novi Sad offensichtlich nicht als Belastung, spricht lieber von der Zeit danach: „ Es ist ein großer Traum, bei der WM in Berlin zu starten. Denn es ist schon etwas anderes, mit so erwachsenen Männern in einem Wettkampf zu starten.“

Die 18-Jährige Oberpfälzerin Corinna Harrer hat sich für die EM ehrgeizige Ziele gesetzt: „Ich will versuchen, Bestzeit zu laufen und das Finale zu erreichen. Aufs Treppchen zu kommen, ist sehr schwer, vor allem die Russinnen sind sehr stark.“

 

Auch Bundestrainer Dietmar Chounard sollte sich noch zu den Zielsetzungen des DLV bei den „Unter 20“ äußern. „Realistisch ist es, dass wir uns in der Punktewertung unter den ersten drei Nationen wiederfinden. Die Russen sind der Maßstab in Europa, weitere starke Konkurrenten sind vor allem Großbritannien und Frankreich, in Teilen auch Polen.“ Und wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Dazu Chounard: „Die ist nicht euphorisch, aber sehr gut.“

 

Gerd Raithel (Fotos: Kallmeyer)