Bayerischer Leichtathletik-Verband e.V.


„Einsichten in andere Welten“: 2. Auflage erneut ein voller Erfolg

Zum großen Gruppenfoto versammelten sich alle Teilnehmer des Inklusionsprojektes „Einsichten in andere Welten“ gemeinsam mit den Ehrengästen (erste Reihe) und „JuLe“ (hinten Mitte), dem Maskottchen der Deutschen Leichtathletik-Jugend.
Die zahlreich erschienenen Ehrengäste Reinhard Leuschner (von links) Stadtrat Plattling), Franz Geisberger (3. Bürgermeister Plattling), Josef Hofmeister (Leichtathletik-Abteilung TSV Plattling), Centa Hollweck (stellv. Bezirksvorsitzende Leichtathletik), Kornelia Klingbeil-Knodel (Behindertenbeauftragte in Plattling), Erich Schmid (1. Bürgermeister Plattling) und Thomas Emberger (Vorsitzender des TSV Plattling) ließen es sich nicht nehmen, mit dem „JuLe“ ein Foto zu machen.
Im Hindernisparcours mit Slalompassagen, Rampen und Wippen probierten sich die jungen Leichtathleten mit den Rollstühlen aus und mussten feststellen, dass die Handhabe gar nicht so einfach ist.
Die Schülerinnen und Schüler der Don-Bosco-Schule aus Passau konnten die Disziplinen Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung und Speerwurf (siehe Bild) ausprobieren und kennen lernen.
Beim „Blind“-Laufen mit Begleitläufer versuchten sich nicht nur der Leichtathletik-Nachwuchs sondern auch die Trainer und Betreuer und hatten dabei sichtlich viel Freude.

Niederbayerischer Leichtathletiknachwuchs veranstaltet Projekt mit der Don-Bosco-Schule Passau

Plattling. Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung und Speerwurf: Groß war das Angebot, das der niederbayerische Leichtathletiknachwuchs für die Schülerinnen und Schüler der Don-Bosco-Schule Passau bei der zweiten Auflage des Inklusionsprojektes „Einsichten in andere Welten“ auf die Beine gestellt hatte.

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr fand auch heuer wieder dieses Projekt im Rahmen des Bezirkstrainingslagers in Plattling statt, zu dem über 60 Kinder, Jugendliche, Betreuer und Trainer drei Tage im Karl-Weinberger-Stadion verweilten. „Athletinnen aus 23 Vereinen aus ganz Niederbayern bereiten sich auf den Bezirkevergleichskampf aller bayerischen Bezirke vor oder sind beziehungsweise waren Mitglieder des aktuellen oder vergangenen E-Kader“, erklärt Andreas Schaub, Organisator des Trainingslagers.

„Sport kennt keine Grenzen“, unter diesem Motto stand ein ganzer Tag des Trainingslagers, der zusammen mit körperbehinderten Schülern der Don-Bosco-Schule aus Passau stattgefunden hat. Unterstützt wurde das Inklusionsprojekt unter anderem durch die Stiftung der Passauer Neuen Presse. „Ohne die finanzielle Unterstützung der PNP-Stiftung wäre die Realisierung des Projektes nur schwer machbar gewesen, deshalb geht unser Dank an die PNP-Stiftung und vor allem an Frau Eva Maria Fuchs“, sagte die stellvertretende Bezirksvorsitzende der niederbayerischen Leichtathleten, Centa Hollweck bei ihrem Grußwort.

„Für unsere Kinder ist das Programm, das die Leichtathleten für uns zusammengestellt haben, fast komplett neu. Natürlich haben wir auch Sportunterricht an der Don-Bosco-Schule, aber gerade mit Disziplinen wie Hochsprung oder Speerwurf können wir nicht anbieten“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin, Gabi Waldbauer. Eine Gruppe von Lehrkräften, Schülern, Eltern und Betreuern hatte sich von Passau aus auf den Weg nach Plattling gemacht, um einen interessanten und abwechslungsreichen Tag zu erleben.

Nach einer kurzen Begrüßung durch E-Kader-Koordinator Andreas Schaub erfolgte die Ausgabe der gemeinsamen T-Shirts. Danach begann das Training gleich mit dem Aufwärmen sowie einem Gymnastik- und Koordinationsteil. Die Schülerinnen und Schüler der Don-Bosco-Schule waren dabei von Beginn an voll integriert und absolvierten nahezu das gleiche Programm wie ihre Leichtathletik-Kollegen.

Anschließend gingen die über 50 Sportlerinnen und Sportler zu ihren Spezialdisziplinen. Das Team aus Passau konnte bei jeder dieser Disziplinen erst zuschauen und dann vor allem auch gleich aktiv mitmachen, natürlich in etwas abgespeckter Form und kindgerecht aufbereitet. So liefen sie beim Sprinttraining durch Reifen oder über Hütchen, probierten sich mit leichtem Gerät beim Kugelstoßen oder warfen im Duell „Heuler gegen Speer“ mit den jungen Leichtathleten um die Wette.

Kilian, ein Schüler der Don-Bosco-Schule, war schon letztes Jahr dabei und meinte aufgeregt: „Gerade war ich beim Speerwerfen, das macht riesig Spaß, auch wenn der Speer ganz anders zu werfen ist als ein Ball“. Auch die beiden Geschwister Kajetan und Zachi probierten alle Disziplinen aus und waren fast fitter als ihre Leichtathletikfreunde. „Wir waren gar nicht müde, wir wollten auf jeden Fall alles ausprobieren. Ich muss gleich mit Papa reden, dass er mich beim Sportverein anmeldet“, erzählt Kajetan begeistert.

Leider musste die Patin des Projektes, die paralympische Sportlerin Birgit Kober, aus gesundheitlichen Gründen absagen und konnte nicht persönlich anwesend sein. Mit ihr war nicht nur ein Showtraining geplant, die mehrfache Paralympics-Siegerin, Weltmeisterin und Europameisterin im Kugelstoßen und im Speerwurf hätte auch für eine Gesprächsrunde und viele Fotos zur Verfügung gestanden.

Stattdessen besuchte das Maskottchen der Deutschen Leichtathletik-Jugend „JuLe“ die Kinder und Jugendlichen an ihrem Projekttag, „JuLe“ war extra aus Darmstadt nach Plattling gekommen. Nicht nur die freuten sich über viele Fotos, sondern auch die anwesende Prominenz, die es sich nicht nehmen ließ, das Projekt zu unterstützen und zum gemeinsamen Mittagessen zu kommen.

Plattlings Bürgermeister Erich Schmid freute sich, dass das Trainingslager sowie das Inklusionsprojekt erneut in Plattling durchgeführt worden sind. „Es ist immer schön, wenn in unserem Stadion Leben herrscht. Wir unterstützen die Leichtathleten gerne für so eine gute Sache“, meinte Schmid und diesen Worten schlossen sich auch der dritte Bürgermeister Franz Geisberger und Stadtrat Reinhard Leuschner an.

Wie schon im letzten Jahr war auch die Behindertenbeauftragte der Stadt Plattling, Kornelia Klingbeil-Knodel anwesend. „Mich freut es sehr, dass ich erneut zu euch kommen darf. Schon letztes Jahr hat es mich wahnsinnig gefreut, dass hier gemeinsam trainiert, gespielt, gegessen und gelacht wurde“, sagte Klingbeil-Knodel. Auch Josef Hofmeister in Vertretung von Abteilungsleiterin ließ es sich nicht nehmen, alle in Plattling zu begrüßen.

Der ganzen Abteilung Leichtathletik des TSV Plattling dankte in seinen Grußworten auch E-Kader-Koordinator Andreas Schaub, ebenso wie den zahlreichen Sponsoren und allen, die das Projekt sowie die Durchführung des Trainingslagers möglich gemacht haben. Sein besonderer Dank galt seinem Trainer- und Betreuerteam: Bis zu 13 Trainer waren anwesend, um den Nachwuchssportlern ein abwechslungsreiches und qualifiziertes Training bieten zu können.

Das Nachmittagstraining stand dann ganz im Zeichen des Sportmachens mit Einschränkung beziehungsweise Behinderung. Die Lehrkräfte der Don-Bosco-Schule hatten dazu einen anspruchsvollen Parcours zum Befahren mit dem Rollstuhl aufgebaut, er beinhaltete neben Slalom und rückwärts mit nur einer Hand fahren auch zwei Wippen und eine Schräge.

Eva aus Ergoldsbach, früher selber als Teilnehmerin im Trainingslager und jetzt als Betreuerin mit dabei, betonte, dass das Rollstuhlfahren echt anstrengend ist. „Ich bin kaum die Rampe hochgekommen, wenn es geradeaus und flach ist, geht das Ganze ja noch, aber bergauf und dann die Schräge - ich habe großen Respekt vor allen, die im Rolli unterwegs sind“, meinte Eva.

Zudem wurde in Zweier-Teams ausprobiert wie es ist, wenn man nichts sieht und sich blind auf einen Begleitläufer verlassen muss. Gerade in der Startphase war es gar nicht so einfach, den richtigen Rhythmus und somit auch auf Tempo zu kommen, mit etwas mehr Übung und vor allem großem Vertrauen zu seinem Begleiter funktionierte das immer besser und besser.

Nach einem gemeinsamen Eisessen ging dieser abwechslungsreiche und interessante Tag dann für alle zu Ende und man war sich einig, dass auch die zweite Auflage der Projektes „Einsichten in andere Welten“ nicht die letzte gewesen sein soll. „Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für die große Gastfreundschaft und die Mühe, die ihr euch gemacht habt. Sehr gerne kommen wir wieder, es war schön zu sehen, wie gut der Zusammenhalt funktionierte und wie schnell sich die beiden Gruppen verbunden haben und eine Gemeinschaft wurden“, sagte Gabi Waldbauer abschließen.

„Die Hemmschwelle, die es bei einem solchen Aufeinandertreffen immer vorhanden ist, war schnell weg. Schon beim Aufwärmen waren alle integriert und es war im wahrsten Sinne des Wortes ein gemeinsamer Tag. Mich macht es sehr stolz, dass das Projekt erneut durchgeführt werden konnte und ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal war“, meinte Andreas Schaub, der Organisator des Trainingslager und des Inklusionsprojektes.

Und auch die Kinder und Jugendlichen wünschen sich eine Fortsetzung. „Es macht großen Spaß, über den Tellerrand hinaus zu schauen und gemeinsam Sport zu machen und die Welt der Schüler der Don-Bosco-Schule kennen zu lernen. Nächstes Mal würde ich gerne mit dem Rolli um die Wette fahren“, wünschte sich der 14-jährige Johannes aus Wallersdorf.