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23.05.10 23:19 Alter: 10 Monat(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik
Von: Gerd Raithel

Neuer Teilnehmerrekord beim Münchner Pfingstsportfest

Wolfgang Stengel, der rührige Meetingdirektor des internationalen Münchner Pfingstsportfestes, strahlte am Ende der Veranstaltung im Dantestadion über das ganze Gesicht. Und der Leichtathletik-Abteilungsleiter des Post-SV München hatte allen Grund dazu. Mit über 470 Startern und Starterinnen aus zwölf Nationen verzeichnete man einen neuen Teilnehmerrekord. Nach den nasskalten, fast spätwinterlichen Tagen zuvor wirkten sich endlich wieder angenehme Temperaturen leistungsfördernd aus.


Von zahlreichen Teilnehmern vor allem auch aus dem Ausland bekam Stengel viel Anerkennung. Auch Gerhard Neubauer, der neue Vizepräsident Sport des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes, stimmte in das Lob ein: „Die Organisatoren haben sich viel Mühe gegeben, man ist auf einem richtigen, einem guten Weg. Die Veranstaltung hätte mehr Zuschauer verdient.“

Die großen Meetings in Deutschland, mit einem wesentlich größeren Budget ausgestattet, warten zwar mit deutlich mehr teilnehmenden Stars auf, aber auch in München erlebte man am Pfingstsamstag zahlreiche Leistungen, die sich sehen lassen konnten. So gab es beispielsweise zwei neue Spitzenreiter in den DLV-Bestenlisten. Jill Richards (SCC Berlin) stellte im 400-Meter-Hürdenlauf der Frauen als haushoch überlegene Siegerin mit sehr guten 56,82 Sekunden nicht nur einen persönlichen Rekord, sondern auch eine deutsche Jahresbestzeit auf. Und Thomas Schneider (SC Potsdam) setzte sich über 400 Meter der Männer mit 46,15 Sekunden an die erste Stelle der Bestenliste. Überzeugen konnte ferner Kugelstoßer Marco Schmidt (VfL Sindelfingen), der mit 19,69 Metern nur knapp seine Saisonbestweite von 19,73 Metern verfehlte.

Auch ohne den deutschen 100-Meter-Meister Tobias Unger erfüllte das Quartett der LG Stadtwerke München in der Besetzung Florian Rentz, Marius Broening, Maximilian Panthen und Oliver Koenig in der 4 x 100-Meter-Staffel mit 40,43 Sekunden mühelos die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften; schneller waren in Deutschland in der allerdings noch jungen Saison bisher nur DLV-Nationalstaffeln, aber keines der Vereinsteams.

Gut unterhalten wurden die Zuschauer von den Stabhochspringern, für die von der LG Stadtwerke München eigens in der Nordkurve des Dantestadions ein neuer Einstichkasten geschaffen worden war. Die von manchen Fans zu hoch geschraubten Erwartungen in Bezug auf die Höhen wurden zwar nicht ganz erfüllt, doch war es ein kurzweiliger, spannender Wettkampf. In Abwesenheit von Hallen-Vizeweltmeister Malte Mohr (LG Stadtwerke München), der am Wochenende bei der IAAF Diamond League in Shanghai mit 5,70 Metern gewann und dabei selbst Olympiasieger und Weltmeister Steven Hooker (Australien) bezwang, siegte in München der Pole Mateusz Didenkow mit 5,50 Metern vor Altmeister Tim Lobinger (LG Stadtwerke München) mit gleicher Höhe. Didenkow meisterte die 5,50 Meter im ersten Versuch, Lobinger schaffte sie erst im dritten. Rang drei belegte Fabian Schulze (ebenfalls LG Stadtwerke München) mit 5,40 Metern; er war doch etwas enttäuscht, „weil ich weiß, dass ich höher springen kann“. Und auch Lobinger war mit sich unzufrieden, weil er beim letzten Versuch einen zu weichen Stab benutzt hatte.

Der noch zur A-Jugend zählende Lucas Schwaiblmair (TSV Gräfelfing) machte bei den Männern mit und durfte sich über eine neue persönliche Bestleistung (4,90 Meter) freuen. Bei den Frauen setzte sich im Stabhochsprung die für die LG Stadtwerke München startende Österreicherin Daniela Höllwarth mit 4,05 Metern durch. Im Hochsprung stieg der Asienmeister Jean-Claude Rabbath (Libanon) erst in den Wettkampf ein, als die anderen Teilnehmer ausgeschieden waren. 2,10 Meter bedeuteten für ihn die Endstation.

Für äußerst knappe Entscheidungen sorgten Sprinter und Sprinterinnen. Bei den Männern lagen über 100 Meter im so genannten A-Finale, für das die Teilnehmer nach den gemeldeten Vorleistungen ohne Qualifikation gesetzt waren, die ersten Drei nur um eine Hundertstelsekunde auseinander. Mit einem starken Finish gewann Maximilian Panthen (LG Stadtwerke München) in 10,65 Sekunden vor dem Österreicher Benjamin Grill (10,66 Sekunden) und dem Slowenen Matic Osovnikar (10,66 Sekunden), der bei der EM 2006 in Göteborg Bronze gewonnen hatte und 2007 bei der WM in Osaka als Siebter der beste weiße Sprinter war. In den fünf vorangegangenen Zeitläufen erwies sich Maximilian Kessler (SCC Berlin) mit 10,61 Sekunden als der schnellste aller Teilnehmer. Über 200 Meter siegte Benjamin Grill in 21,34 Sekunden knapp vor Jonas Plass (asics Team Wendelstein) und Maximilian Kessler, die sich mit jeweils 21,36 Sekunden den zweiten Platz teilten. Bei den Frauen musste über 100 Meter das Zielfoto zur Ermittlung der Siegerin herangezogen werden. Maren Schulz (LG Nord Berlin) setzte sich hauchdünn in 11,92 Sekunden vor der zeitgleichen Anja Wurm (LG Stadtwerke München) durch. Die gleiche Reihenfolge an der Spitze gab es über 200 Meter: Maren Schulz (24,16 Sekunden) vor Anja Wurm (24,74 Sekunden). In der 4 x 100-Meter-Staffel waren Vera Seitz, Nele Baade, Anja Wurm und Christina Muckenthaler in 47,69 Sekunden für die LG Stadtwerke erfolgreich vor dem 1.FC Passau (48,46 Sekunden).

Zu erwähnen ist auch noch die gute Leistung von David Gollnow (TSV 1862 Erding) im 400-Meter-Lauf; der 20-jährige 400-Meter-Hürden-Spezialist belegte hinter dem souveränen Sieger Thomas Schneider (SC Potsdam) in 47,50 Sekunden Rang zwei.

Einen bisher nicht gekannten Massenandrang erlebte man in den 1500-Meter-Läufen. In sieben Zeitläufen gingen über 100 (!) Läufer und Läuferinnen an den Start. Im Lauf der Besten machten zwei Afrikaner den Sieg unter sich aus, im Sog von James Kangogo aus Kenia (3:39,16 Minuten) und Jimmy Adar aus Uganda (3:40,47 Minuten) kamen Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen/3:44,80) und Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München/3:45,41) auf passable Zeiten. Bei den Frauen war die junge Rebecca Heptegei aus Uganda mit 4:21,68 Minuten der Konkurrenz klar überlegen, obwohl sie schon nach 400 Metern einen ihrer Spikes verloren hatte und den Rest der Strecke „halb barfuß“ lief. Zweite wurde die im Trikot der LG Stadtwerke München laufende Polin Agnieszka Pietsch-Fulbiszewska (4:27,66) vor Ingalena Heuck (LG Stadtwerke München/4:30,94).

Einige Male standen bayerische Athleten und Athletinnen in den Wurf- und Sprungdiziplinen bei den Siegerehrungen ganz oben auf dem Podest, so bei den Männern Diskuswerfer Helmut Maryniak (1. FC Passau/47,15 Meter) und Speerwerfer Stephan Seeck (LG Stadtwerke München/63,40 Meter) sowie bei den Frauen Speerwerferin Susanne Rosenbauer (TSV Schwaben Augsburg/53,23 Meter) und Weitspringerin Gabi Kutscherauer (LG Team Isartal/5,76 Meter). Als Zweite über 100 Meter Hürden fiel Jennifer Reinelt (1. FC Passau) mit der guten Zeit von 13,82 Sekunden auf.

Von den übrigen Siegern und Siegerinnen verdienen Erwähnung der Hürdensprinter Paul Sehm (TuS Jena/14,46 Sekunden), die österreichische Hürdensprinterin Victoria Schreibeis (DSG Wien/13,50 Sekunden), die 19-jährige Kugelstoßerin Samira Burkhardt (VfL Sindelfingen/16,22 Meter) und die österreichische Diskuswerferin Veronika Watzek (LC Villach/55,84 Meter).

Die herausragenden Leistungen bei der Jugend boten zwei Diskuswerfer der MJA aus Württemberg: Michael Salzer (TG Nürtingen) und David Wrobel (VfB Stuttgart) übertrafen mit 61,07 beziehungsweise 58,09 Metern die Norm für die U 20-Weltmeisterschaften.

„Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht“, zog Meetingchef Wolfgang Stengel zufrieden seine Bilanz, zu der auch 18 neue Meetingrekorde zählen. BLV-Vizepräsident Gerhard Neubauer glaubt, dass man in Zukunft mit zwei oder drei weiteren Highlights - wie beispielsweise diesmal mit dem Stabhochsprung  - für mehr Zuschauerinteresse sorgen könnte. Er will sich dafür einsetzen, dass Trainer in verstärktem Maße ihre Athleten zu Starts beim Pfingstmeeting veranlassen. Außerdem sollte versucht werden, Qualifikationswettkämpfe nach München zu bekommen. Zukunftsmusik, die man in München gerne hören wird...