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Leichtathletik

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01.03.14 22:27 Alter: 5 Monat(e)
Kategorie: Leichtathletik
Von: Bertram Böhm

90 Jahre Georg Dengler: Wie aus dem kleinen "Gerch" ein hochgeehrter Sportfuntionär wurde

Georg „Gerch“ Dengler, der Ehrenvorsitzende des LAC Quelle Fürth, war fast alles in der Leichtathletik: Athlet, Trainer, Funktionär. Also alles, was ein Verein beziehungsweise eine Abteilung sich so wünscht. Ein Leben für den Sport. Am heutigen Samstag feiert das Urgestein seinen 90. Geburtstag.


Georg "Gerch" Dengler. Foto: privat

In der Fürther Innenstadt geboren, in der Südstadt aufgewachsen: Da musste man zum TV Fürth 1860 kommen. Mit der Turnstunde fing fpr Georg Dengler alles an. Der hochaufgeschossene junge Mann stellte fest, dass er mit seiner Körpergröße niemals Deutscher Meister am Reck würde, und so beschloss er zu laufen. Erste vereinsinterne Wettkämpfe und der Firmensport bei den Nürnberger Stadtwerken (als echter Fürther eine Lehre in Nürnberg?) brachten ihn zur Leichtathletik. Bei den Deutschen Sommerspielen 1942 in Breslau, heute vergleichbar mit Deutschen Jugendmeisterschaften, verpasste er knapp den Endlauf über 400 Meter. In der Deutschen Bestenliste wurde er zum ersten Mal mit 52,0 Sekunden unter falschem Vereinsnamen (TV 1860 Frankfurt) über 400 Meter erfasst.

Aus der Karriere als 400-Meter-Läufer sollte jedoch so schnell nichts werden. Die Wehrmacht und der Zweite Weltkrieg bestimmten die nächsten Jahre seines Lebens. Über Dänemark und die Tschechoslowakei ging es nach Italien zur Schlacht am Monte Cassino, wo er 1944 gefangen genommen wurde. Die Gefangenschaft verbrachte er vier Jahre lang bei den Briten in Ägypten. Dort fand er jeden Morgen vor Sonnenaufgang mit Gleichgesinnten wieder zum Sport und zum Laufen. 1948 kehrte Georg Dengler nach Hause zurück. Durch die im selben Jahr im Nürnberger Stadion ausgetragenen Deutschen Meisterschaften kam die Begeisterung für die Leichtathletik wieder zurück

Die Jahre des Wettkämpfers

57,4 Sekunden über 400 Meter Hürden standen 1949 für den „Gerch“ zu Buche und 1950, immerhin schon als 26-Jähriger, startete er richtig durch. Nordbayerischer Meister über 400 Meter (50,8 Sekunden) und 400 Meter Hürden (56,6 Sekunden), Bayerischer Meister über 400 Meter Hürden in 56,9 Sekunden und Zweiter über 400 Meter in 49,6 Sekunden. Die "Süddeutschen" im Nürnberger Stadion beendete er als überraschender Zweiter in 55,2 Sekunden, sein Bruder Robert wurde Fünfter in 57,6 Sekunden.

Der Höhepunkt des Jahres waren die Deutschen Meisterschaften in Stuttgart. Nach dem Vorlaufsieg in 56,8 Sekunden zog Georg Dengler für den Endlauf die Außenbahn. Bis zur letzten Hürde auf Platz zwei liegend, büßte er im Auslauf noch einen Platz ein und wurde sensationell Dritter in 55,8 Sekunden. Beim Vergleich Nord- gegen Süddeutschland, der Ersatz für die in Brüssel ohne deutsche Beteiligung stattfindende Europameisterschaft, wurde er ebenfalls Dritter in 55,5 Sekunden. Diese Zeit hätte bei der EM zum Zwischenlauf gereicht. Nach einigen kleineren Wettkämpfen gewann Georg 1951 die Bayerische Meisterschaft in Regensburg über 400 Meter Hürden und 800 Meter und bei der Süddeutschen Titelkämpfen gelang der zweite Platz in der persönlichen Bestzeit von 55,0 Sekunden. 50 000 Zuschauer, heute unvorstellbar, bei den Deutschen Meisterschaften im Düsseldorfer Rheinstadion sahen Georg Dengler als Gewinner der Bronzemedaille über 800 Meter in 1:53,2 Minuten.

Am 22. Juli 1951 lief Georg Dengler im Stuttgarter Neckarstadion bei einem „Amerikaner“-Sportfest seine persönliche Bestzeit über 800 Meter. Das Fachblatt "Leichtathletik" schwärmte in den höchsten Tönen über den Fürther: „Der Amerikaner Brown wurde bei 650 Metern überraschend von Dengler (Fürth) heftig angegriffen. Die Zuschauer freuten sich an dem schneidigen Lauf des Bayern, der sich selbst auf der Zielgeraden noch nicht geschlagen gab. Erst als Brown einen rasanten Schlussspurt hinlegte, war Dengler mit seinen Kräften am Ende. Mit 1:51,0 Minuten erreichte Brown eine vorzügliche Zeit, aber man höre und staune, der bisher über 800 Meter unbekannte Dengler lief 1:52,6 Minuten. Welch ein Fortschritt für diesen begabten Athleten.“

Ende August ein weiterer Höhepunkt im Läuferleben des Georg Dengler: der erste Länderkampf. Gegen die Schweiz ging es im Berner Neufeld Stadion unter Flutlicht über 800 Meter. Georg Dengler führte bis auf die Zielgerade das Feld an und wurde in 1:54,0 Minuten Dritter. Sein sechs Jahre jüngerer Bruder Robert machte als deutscher Juniorenmeister über 200 Meter Hürden ein tolles Jahr perfekt.

Das Olympiajahr 1952 sollte die Teilnahme in Helsinki bringen. Aber es lief nicht so, wie Georg Dengler das wollte. Nach gutem Einstieg bei den „Bayerischen“ als Sieger im 800-Meter-Lauf in 1:55,6 Minuten schied er bei den „Deutschen“ schon im Vorlauf aus. Dennoch nominierte ihn der DLV für den Schweiz-Länderkampf in Augsburg und Georg Dengler errang zwei zweiten Plätze über 800 Meter und mit der 4 x 400-Meter-Staffel. Auch bei einem für die damalige Zeit sehr ungewöhnlichen Vergleichskampf startete der Fürther: Bayern trat in Erfurt gegen die „Ostzonen“ Bezirke Erfurt, Halle, Leipzig an. Nachdem aber der nayerische Verband es (bewusst?) versäumt hatte, eine Startgenehmigung vom DLV und der Bundesrepublik Deutschland einzuholen, kam es zu politischen Verwicklungen.

Das Jahr 1953 brachte neben der 100- und 400-Meter-Bestzeit in 11,2 und 49,1 Sekunden auch einen achten Platz bei den „Deutschen“ in Augsburg und einen Doppelsieg beim Länderkampf gegen Österreich ein. In Schwandorf trafen Georg Dengler und Karl-Friedrich Haas über 800 Meter aufeinander. Der Olympiavierte über 400 Meter von 1952 - Haas bestritt den einzigen 800-Meter-Lauf seines Lebens - besiegte Georg in 1:53,1 Minuten.

In den schweren Jahren nach der Gefangenschaft stieg Georg Dengler als geachteter und respektierter Läufer aus Fürth in die deutsche Spitze auf.

Der funktionierende Funktionär

Nach dem Sport ist vor dem Sport, dachte sich Georg Dengler ,und neben Familie – Sohn Manfred war lange Jahre Mannschaftskapitän der Handballer des TV Fürth 1860 – stand weiterhin die Leichtathletik im Vordergrund. Jugendtrainer, Verbandstrainer für den bayerischen Mittelstreckennachwuchs und schließlich Abteilungsleiter Leichtathletik im TV Fürth 1860 waren die ersten Stationen in der zweiten Karriere des Georg Dengler. 1969 half er bei der Gründung des LAC Quelle mit und für seine großen Verdienste um die Fürther Leichtathletik wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seit 1961 war er schon als zweiter Vorsitzender im Bezirk Mittelfranken. Die Olympischen Spiele 1972 in München konnten ohne den Kampfrichter Georg Dengler nicht stattfinden. Ab 1973 war er der oberste Sportler Fürths und zwar in der Funktion des Vorsitzenden des sporttechnischen Ausschusses.

Ehre wem Ehre gebührt

Wer sich über 50 Jahre im Sport engagiert wie Georg Dengler, der wird mit Ehrungen überhäuft. Sämtliche Ehrennadeln des Bayerischen und Deutschen Leichtathletik Verbandes wurden ihm verliehen sowie der Ritter-von-Halt-Schild und der goldene Ehrenring des BLV. Das Ehrenmitglied des TV Fürth 1860 erhielt auch von seiner Heimatstadt Fürth das Goldene Kleeblatt und den Ehrenbrief der Stadt Fürth überreicht. Als Höhepunkt aller Ehrungen bekam er 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Welcher Aufstieg vom kleinen „Gerch“ Dengler aus der Fürther Südstadt zum hochgeehrten Sportfunktionär Georg Dengler!

Lange Jahre frönte er noch seinen Alt Herren Sportarten wie Tennis und Skifahren, aber inzwischen spielen die „Haxen“ nicht mehr so richtig mit und nun dürfen sich die Mitbewohner im Seniorenheim in Fürth-Burgfarrnbach an seinen Anekdoten aus seinem Sportlerleben erfreuen.

Alles Gute zum 90. Geburtstag wünschen dir alle Leichtathleten in Bayern, beim LAC Quelle und natürlich alle 60er.