Unsere Partner:        

Sie sind nicht angemeldet | Login | Drucken

Startseite/  Nachricht Detail

Top Stories

< Vorheriger Artikel

06.06.10 23:14 Alter: 9 Monat(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik
Von: Reinhard Köchl

Regensburg öffnet für bayerische Athleten die Tür nach Barcelona und Moncton

Sie ist – und darin besteht spätestens seit Samstag kein Zweifel mehr – das größte und wichtigste Leichtathletiksportfest Bayerns. Doch die Regensburger Sparkassen Gala brachte neben einer Reihe von Normerfüllungen für die Creme der bundesdeutschen Athleten auch viele wirklich exzellente Ergebnisse für die weißblauen Starter. Einige von ihnen können nun ebenfalls mit der U 20-WM in Moncton (Kanada) liebäugeln – oder gar der EM in Barcelona.


Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt-Gambach-Lohr) jedenfalls scheint bereits fest gebucht für eine Reise in die katalanische Hauptstadt. Fragt sich nur, in welcher Disziplin. Nach ihrem sensationellen 800 Meter-Rennen von Dessau, als sie die Konkurrenz inklusive der amtierenden Olympiasiegerin in Grund und Boden lief und geradezu spielerisch leicht die Norm einsackte (2:00,72 Minuten) oder ihren grandiosen 56,01 Sekunden über 400 Meter Hürden an Pfingsten in Rehlingen über ihre Lieblingsdisziplin die 400 Meter Hürden galt es nun in der Oberpfalz, zum ersten Mal in diesem Jahr eine Stadionrunde flach hinzulegen. Wer Fabienne Kohlmann kennt, weiß, dass kein Kommentator von der 21-Jährigen während des Rennens Notiz nimmt, Zu weit hängst sie meist hinter ihren Konkurrentinnen her. Auch in Regensburg spielte die Karlstädterin wieder ganz bewusst mit dem Feuer, schien bereits abgeschlagen, bis sie schließlich auf der Zielgerade den inzwischen legendären „Kohlmann-Turbo“ zündete, fast zehn Meter gutmachte und außer der überragenden Claudia Hoffmann (SC Potsdam) wieder alle anderen einkassierte. Die Zeit (52,30 Sekunden) bedeutete einmal mehr persönliche Bestleistung, noch dazu Bayerischen Juniorenrekord und scheint in dieser Saison, in der Kohlmann neben einem Einzelstart in Barcelona auch ihren Staffelplatz so gut wie sicher hat, noch längst nicht das Ende der Fahnenstange gewesen zu sein.

Plass, Unger und Broening hoffen noch

Ebenfalls noch Chancen auf einen Platz in der 4 x 400 Meter-Staffel ausrechnen kann sich Jonas Plass (asics Team Wendelstein), der in einem starken 400 Meter-Rennen auf Rang vier (46,59 Sekunden) einkam. Ebenfalls eine feste bayerische Bank für die EM ist Tobias Unger (LG Stadtwerke München) – zumindest mit der grandiosen 4 x 100 Meter-Staffel. Im Einzelbewerb fehlte dem Neu-Münchner als Dritten im Endlauf (10,36 Sekunden) dagegen noch ein Quäntchen zur Norm. Sein Vereinskamerad Marius Broening (diesmal nicht in der bundesdeutschen Staffel dabei) kam als Siebter auf 10,59 Sekunden (Vorlauf: 10,43 Sekunden).

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird auch Hallen-Vizeweltmeister Malte Mohr (LG Stadtwerke München) die deutsche Stabi-Troika in Barcelona anführen. Ob seine Trainingskameraden Fabian Schulze und Tim Lobinger ebenfalls die Reise gen Süden antreten dürfen, scheint dagegen trotz ihres Doppelsieges bei der Sparkassen Gala mit jeweils 5,40 Meter bis dato fraglich. Durchaus Hoffnungen darf sich der in diesem Jahr der stark verbesserte 400-Meter-Hürdenläufer David Gollnow (TSV Erding) machen. Die 50,78 Sekunden von Regensburg (Platz vier; Sieger Silvio Schirrmeister, Dresdner SC in 50,31 Sekunden) scheinen auf jeden Fall noch ausbaufähig.

Pfliegers wahnsinniger 5000-Meter-Parforceritt

„Wenn Philipp Pflieger mal mehr als zehn Minuten ununterbrochen den Mund hält, ist er tot oder er hat gerade einmal für ihn fast Außerirdisches auf dem Kunstoffoval abgeliefert“, kommentierte Cheftrainer und Meetingdirektor Kurt Ring die Bravourleistung seines Schützlings. Samstag gegen halbzehn Uhr abends war es wieder einmal so weit. Selbst Minuten nach dem 5000-Meter-Zieleinlauf saß er noch immer völlig entkräftet im Rasen und sagte erst mal gar nichts. Völlig ungewöhnlich für den redseligen Schwaben im Dress der LG Telis Finanz Regensburg. Seine Zeit von 13:52,41 Minuten sieht auf dem Papier nicht spektakulär aus, weil man inzwischen weiß, dass der Telis-Läufer solches leisten kann. Wie er das Rennen anging, fordert jedoch jeglichen Respekt. Gegen zwei Afrikaner der internationalen Klasse lief er auf den ersten zwei Kilometern in Geschwindigkeitsbereiche, in denen dem Regensburger derzeit noch fast schwarz vor den Augen wird. „5:23 – das bin ich einzeln über 2000 Meter noch nicht gelaufen, echt krass“, seine ersten Worte dazu. Dass dann das berühmte Loch von Kilometer zwei auf vier kam, war vorauszusehen. Doch dann kam Trotz im Regensburger auf, und so gelang letztendlich noch die derzeit zweitbeste Zeit eines Deutschen in 2010 und auch noch ein persönlicher Rekord dazu. Als Vierter blieb Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München) mit 14:03,79 Minuten noch über der 14-Minuten-Schallmauer.

Ebenfalls den Kampf David gegen Goliath – oder besser: Regensburg gegen Afrika – nahm Florian Orth im 1500 Meter-Rennen auf. In einem spannenden Finish lief der Neu-Telis-Athlet gegen den Kenianer Cornelius Ndiwa wie um sein Leben und musste sich erst auf der Ziellinie geschlagen geben. Die Zeit von 3:40,60 Minuten verleitete Orth jedoch zu spontanen Freudensprüngen, schließlich hatte er seine alte Bestleistung nahezu pulverisiert. Auch Falko Zauber (LAC Quelle Fürth) lief als Siebter mit 3:44,43 Minuten eine absolut zufriedenstellende Zeit.

Susi Lutz endlich unter der „magischen Zehn“

Die Zehn-Minuten-Barriere hatte Susi Lutz (LG Telis Finanz Regensburg) über 3000 Meter Hindernis in den vergangenen Jahren geradezu bombadiert, gefallen ist sie nie. „Die Susi wird jetzt irgendwann einen gewaltigen Sprung nach unten machen“, mutmaßte Bundestrainer Werner Klein schon seit längerem. Der Sprung drunter fiel mit 9:58,48 Minuten noch nicht gigantisch groß aus. Wer jedoch das Rennen verfolgte, sah bei der Telis-Läuferin durchaus noch Luft nach oben. Vielleicht klappt es schon beim nächsten internationalen Laufe in Liège oder Metz Ende Juni, wenn die Regensburgerin dann völlig stressfrei auftreten kann. Am Ende gab's noch ein kleines Bonbon: Als Deutschlands derzeitige Nummer zwei auf der Hindernisdistanz ist sie Ersatzfrau für die Mannschaftseuropameisterschaften am 19./20. Juni in Bergen/Norwegen.

Keine unmittelbaren Top-Kandidaten für Barcelona, aber dennoch im erweiterten deutschen Blickfeld befinden sich Bayerns beste Weitspringer Michelle Weitzel (LG Telis Finanz Regensburg) und Oliver Koenig (LG Stadtwerke München). Während Weitzel trotz Gegenwindes als Siegerin auf sehr gute 6,31 Meter kam, betrachtete Koenig die Gala als Aufbauwettkampf nach langer Verletzungspause (Erster mit 7,14 Meter). Zufrieden durfte U 20-Europameister Tobias Giehl (LG Würm Athletik) mit seinem Saisoneinstand über 400-Meter-Hürden sein. Trotz eines Trainingsrückstandes im Winter kam der Abiturient auf gute 52,28 Sekunden. Auf ähnlichem Niveau hatte er auch 2009 seine bis dato erfolgreichste Saison begonnen - in Regensburg. Das gleich mehrere Viertelmeiler mit zur U 20-WM ins kanadische Moncton wollen, musste der Deutschen Hallenmeister Stefan Gorol (DJK Friedberg) erfahren. In einem hochkarätig besetzten Lauf langte es für den 19-Jährigen nur zu Rang fünf in 48,55 Sekunden.

Lisa Hoffmann stürmt über den Hürdenwald nach Moncton

Völlig überraschend kam dagegen die bravouröse Vorstellung von Lisa Hoffmann (TSV Bad Kissingen) über 400 Meter Hürden. In einem nie für möglich gehaltenen Rennen stürmte die 19-Jährige über die Hindernisse, hielt ihr enormes Tempo bis ins Ziel und verbesserte ihre eigene Bestzeit als souveräne Siegerin um fast zwei Sekunden auf 57,99 Sekunden. Als der Stadionsprecher dann auch noch verkündete, dass Lisa Hoffmann gerade die Norm für die U 20-WM in Moncton erfüllt hatte, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Sie und Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) waren zwei von insgesamt 19 Normerfüllungen in Regensburg. Nach den 4:21 von Koblenz über 1500 Meter und den 2:05,30 Minuten von Rehlingen über die 800 Meter lieferte der Regensburger Lauffloh Harrer diesmal wieder über 1500 Meter erneut die geforderte Zeit als Achte in 4:20,04 Minuten ab.

Auch Daniel Götz (LAC Quelle Fürth) hat es geschafft. Zwar noch nicht für Moncton, sondern zunächst einmal für Bydgoszcz. Als schnellster deutscher Junior qualifizierte sich der 21-Jährige bei der Sparkassen Gala über 3000 Meter Hindernis in 8:54,55 Minuten für den U 23- Länderkampf gegen Polen. Hinter ihm kam Martin Grau (TSV Höchstadt/Aisch) in 9:02,32 Minuten ins Ziel. Auch einem „Comebacker“, der vielleicht auch für die Nachwuchs-WM in Frage käme, gab es in Regensburg über 100 Meter Männlichen Jugend A zu bestaunen: Zehnkämpfer Florian Katzschmann (TS Herzogenaurach) trommelte die 100 Meter in 10,82 Sekunden herunter, was ihm Rang drei im Gesamtklassement einbrachte.