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Leichtathletik

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13.07.10 17:40 Alter: 9 Monat(e)
Kategorie: Leichtathletik
Von: BLV/DLV

Jugendliche und Drogen: Im Leistungssport ein „No Go“

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat Klage beim Deutschen Sportschiedsgericht erhoben und den Antrag gestellt, den Hammerwerfer Johannes Limmer mit einer Wettkampfsperre zu sanktionieren sowie die Wettkampfergebnisse zu annullieren.


Der Athlet war bei einer Wettkampfkontrolle in Fränkisch-Crumbach am 24. Mai positiv auf Cannabinoide getestet worden. Er hat den Verstoß eingeräumt und auf die Öffnung der B-Probe verzichtet.

„Wir verurteilen dieses Verhalten und sind natürlich enttäuscht“, sagte der Präsident des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes (BLV), Wolfgang Schoeppe, in einer ersten Stellungnahme. „Obwohl der Athlet keine klassische direkt leistungsfördernde Substanz eingenommen hat, stellt dies alles andere als ein Kavaliersdelikt dar.“ Deshalb wurde Limmer auch nicht für die U 20-WM in Moncton (Kanada) nominiert, obwohl er bei der DLV-Junioren-Gala Anfang Juli in Mannheim die Qualifikationsnorm erfüllt hatte. Der Anti-Doping-Arzt des BLV, Dr. Karlheinz Zeilberger (München), wurde frühzeitig in das laufende Verfahren eingeschaltet. Wenige Tage nach der Information durch den DLV an den Sportler kam es zu einer Kommunikation zwischen Arzt und Athlet. Man werde Johannes Limmer, so BLV-Präsident Schoeppe, nicht die Türe zuschlagen. Nach Ablauf seiner voraussichtlichen Sperre hoffe man, dass er seine Lektion gelernt habe und auf den richtigen Weg zurückfinde.

Ungeachtet des aktuellen Falles weist Dr. Zeilberger in aller Deutlichkeit darauf hin, dass die Cannabinoide mit den Substanzen wie Haschisch und Marihuana, die den Wirkstoff THC enthalten, auf der Verbotsliste der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) stehen. Das heißt konkret: Cannabis ist bei Wettkämpfen verboten! Der Wirkstoff ist sehr lange im Körper nachweisbar und kann so auch längere Zeit nach dem Konsum zu einem positiven Ergebnis beim Dopingtest führen. Grund genug, dringend zu einem vollständigen Verzicht auf Cannabis zu raten.

Bei den im vergangenen Jahr von „Antidoping Schweiz“, der Nationalen Anti Doping Agentur der Schweiz durchgeführten rund 1700 Trainings- und Wettkampfkontrollen wurden 24 Verstöße gegen die weltweit geltenden Anti-Doping-Bestimmungen festgestellt. Die Hälfte davon betraf Cannabis-Missbrauch, sechs Fälle handelten von Stimulanzien, vier von Anabolika und zwei Kontrollen wurden von Athleten verweigert.

Alltagsdroge Cannabis hat im Sport nichts verloren

Dies verdeutlicht, dass das Rauchen, „Paffen“ oder „Kiffen“ der Cannabisprodukte Haschisch und Marihuana weit verbreitet ist. So taucht die verbotene Alltagsdroge („illegal ist besonders cool“) nicht nur in den verschiedensten Jugendkulturen zunehmend häufiger auf, sondern auch bei jugendlichen Sportlern. Leider bleiben ebenfalls junge Leistungs- beziehungsweise Hochleistungssportler der Faszination des Hanf-Kultes gegenüber nicht immer immun. Da also insbesondere bei Jugendlichen damit zu rechnen ist, dass sie mit Cannabinoiden in Berührung kommen, sollten Trainer auf folgendes mit Nachdruck hinweisen:

 

·          Verboten: Bei Wettkämpfen

·          Medizinische Ausnahmegenehmigung: Nicht vorgesehen

·          Besonderheiten: Es ist zu beachten, dass Cannabinoide über einen relativ langen Zeitraum im Körper nachgewiesen werden können. Auch wenn das Verbot auf Wettkämpfe beschränkt bleibt, ist deshalb ein genereller Verzicht auf Cannabinoide zu empfehlen. Ebenso kann das unbeabsichtigte Einatmen des Rauchs von Haschisch oder Marihuana (Passivrauchen) zu positiven Testergebnissen führen. Athleten sollten deshalb das Weite suchen, wenn in ihrer Nähe gekifft wird.

Nebenwirkungen von Cannabis

Hohe Dosen von Cannabis können zu Unruhe und Angst oder gar zu Panikreaktionen und Verwirrtheit führen. Bei Menschen, die dafür eine Veranlagung haben, kann Cannabis auch Psychosen oder Depressionen auslösen. Außerdem besteht die Gefahr der psychischen Abhängigkeit. Das Rauchen von Haschisch und Marihuana schädigt darüber hinaus die Atemwege ebenso wie das Rauchen von Tabak.

Ein Merkblatt zu „Cannabis und Sport“ hat der Nationale Sportverband in der Schweiz „Swiss Olympic“ herausgegeben. Ferner wurden von der Fachstelle Prävention in Frankfurt/Main verschiedene Cannabis-Broschüren aufgelistet.

Das in München ansässige Staatsinstitut für Frühpädagogik stellt in dem Fachbeitrag „Jugendliche und Drogen – Prävention und Therapie“ fest, dass sich das 21. Jahrhundert zum Zeitalter der Drogen entwickelt. Sie lauern in unserer Spaß- und Konsumgesellschaft überall. Häufig führt der Konsum von legalen und illegalen Drogen im Kindes- und Jugendalter zu einem später verfestigten Suchtverhalten. Drogen sind daher im Kindesalter absolut tabu. Zu 50 Prozent kann eine Drogenabhängigkeit angeboren sein, die restlichen 50 Prozent werden durch die Lebensumstände beeinflusst. Zudem sind Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) stärker durch Drogen gefährdet. Prävention und Aufklärung ist in jedem Fall besser als Entziehung.

Betroffene wie auch Angehörige, die sich mit dem Thema Jugendliche und Drogen beschäftigen wollen, finden unter diesem Link Hilfe.