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17.07.10 23:43 Alter: 9 Monat(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik
Von: Reinhard Köchl

DM Braunschweig, Teil 1: Mohr holt erwarteten Titel, Hentschel überraschendes Silber

Hoch im Norden stellte der Süden nach einer kürzeren Durststrecke wenigstens wieder einen Deutschen Meister. Einen wohlgemerkt, und der hieß fast erwartungsgemäß Malte Mohr (LG Stadtwerke München) im Stabhochsprung. Sein Vereinskamerad Tobias Unger musste dagegen am ersten Tag der deutschen Meisterschaften in Braunschweig über 100 Meter mit einem enttäuschenden vierten Rang Vorlieb nehmen. Unerwartet kam dagegen die Silbermedaille für Felix Hentschel (LG Bamberg) über 3000 Meter Hindernis.


Der Sprint-Showdown am Samstagabend hatte eine faustdicke Überraschung parat. Nicht der favorisierte Tobias Unger oder sein Vereinskamerad Marius Broening hatten die Nase vorn, sondern Alexander Kosenkow. Der mit 33 Jahren älteste Sprinter des Finals löste sich in der zweiten Rennhälfte vom Feld und sprintete mit 10,29 Sekunden souverän zum Titel. „Zwar werde ich älter, aber nicht langsamer“, scherzte der Wattenscheider im Ziel. Damit ist er auch der einzige deutsche 100-Meter-Läufer, der die EM-Norm wie gefordert doppelt erfüllt hat. Hinter Alexander Kosenkow gewann der in München wohnende Christian Blum (LAC Erdgas Chemnitz) mit 10,33 Sekunden Silber. Broening sicherte sich vor seinem zeitgleichen Trainingspartner Unger (beide 10,37 Sekunden), der einen ganz schlechten Start erwischt hatte, Bronze. „Es war ein verkorkster Tag für mich“, kommentierte Tobias Unger die erste Hälfte der DM. „Schon der Vorlauf war nicht gut. Letzte Woche habe ich noch gut trainiert, da lief es viel besser. Alexander ist heute hinten raus locker geblieben, ich nicht, deshalb hat er gewonnen. Ich bin einfach nicht in das Rennen reingekommen. So einen Tag gibt es auch mal. Ich hoffe, dass ich trotzdem die Chance bekomme, in Barcelona zu laufen. Da will ich es besser machen.“ Ob Unger am Sonntag über 200 Meter an den Start geht, wusste er unmittelbar nach dem Finale noch nicht. Darüber müsse er noch mit seinem Trainer sprechen. Mit 10,65 Sekunden blieb mit Christian Rasp (LG Karlstadt-Gambach-Lohr) ein weiterer Starter schon im Vorlauf hängen. 

Für Malte Mohr endete die Fahrt nach Braunschweig mit dem erwarteten Erfolgserlebnis. Zum ersten Mal sicherte sich der Stadtwerke-Springer im Freien den DM-Titel. Der 23-Jährige überflog als einziger Springer 5,75 Meter und bewies damit seine enorme Konstanz in dieser Saison. Mittlerweile ist der Deutsche Hallenmeister in diesem Sommer sechsmal 5,70 Meter oder höher gesprungen. „Ich habe mir eine höhere Höhe vorgestellt“ meinte Mohr unmittelbar nach dem Wettkampf durchaus selbstkritisch. „Aber letzten Endes ging es darum, sich den Titel abzuholen. Das hat geklappt und es ist okay. Meine Vereinskollegen Fabian Schulze und Tim Lobinger haben mich im Wettkampf unterstützt und mir den Wind auf der Anlaufbahn angezeigt. Den kann man schwer einschätzen, wenn man am Anlauf steht. Auch die Zuschauer haben Gas gegeben, das hat mich motiviert. Jetzt will ich meine Form bis zur EM halten. Dort will ich eine Medaille. Ich denke auch, dass es nicht unmöglich ist, um Gold mitzuspringen.“

Einen tollen Wettkampf absolvierte auch Raphael Holzdeppe. Der Olympia-Achte vom LAZ Zweibrücken nahm 5,50, 5,60 und 5,70 Meter im ersten Anlauf und sicherte sich neben der Silbermedaille auch das EM-Ticket. Das feierte der 20-Jährige mit einem Rückwärtssalto gebührend. Rang drei und die dritte Barcelona-Fahrkarte ging mit 5,60 Metern ebenfalls nach München. Obwohl er dreimal an 5,70 und 5,75 Metern scheiterte, freute sich Fabian Schulze sichtlich, nach längerer Durststrecke wieder bei einem internationalen Höhepunkt dabei zu sein. Nicht in den Kampf um die Medaillen und die EM-Tickets eingreifen konnte Tim Lobinger (LG Stadtwerke München). Er kam über 5,40 Meter (Platz fünf) nicht hinaus.

Hentschel und Götz überraschen über 3000 Meter Hindernis

Steffen Uliczka (SG Kronshagen/Kieler TB) hatten über 3000 Meter Hindernis alle auf der Rechnung. Aber nicht Felix Hentschel (LG Bamberg) und Daniel Götz (LAC Quelle Fürth). Die beiden Bayern saugten sich schon nach dem ersten Kilometer (2:55,83 Minuten) an den großen Favoriten, der offenkundig auf keine flotte Zeit aus war. Eine Minute später machte Steffen Uliczka dann aber ernster und attackierte. Der einzige Läufer, der ihm zunächst folgen wollte, war Hentschel, als Siebter der deutschen Jahresbestenliste angereist. Als sich das Feld später wieder zusammenschieben drohte, forcierte Uliczka erneut. Felix Hentschel blieb allerdings beharrlich. Erst auf der letzten Runde war die Gegenwehr dann gebrochen. Uliczka erreichte so in 8:38,30 Minuten das Ziel, der schnellsten Siegerzeit eines Hindernisläufers bei Deutschen Meisterschaft seit fünf Jahren. Dahinter tat sich aus bayerischer Sicht Großartiges: Felix Hentschel holte sensationell Silber in neuer persönlicher Bestleistung von 8:46,38 Minuten, und auch Daniel Götz konnte als undankbarer Vierter seinen Hausrekord auf erstklassige 8:50,71 Minuten steigern. Zwölfter wurde Christian Meisel (LG Stadtwerke München) in 9:04,67 Minuten.

Ein bisschen bayerisch gefärbt bleibt auch 2010 Deutschlands Sprintkrone bei den Damen. Obwohl Verena Sailer immer gerne vorschnell als Mannheimerin bezeichnet wird, liegen ihre heimatlichen Wurzeln im Allgäu und ihre sportlichen bei der LAC Quelle Fürth. Die schnellste Frau der Republik lief in 11,23 Sekunden zu ihrem fünften deutschen Meistertitel in Folge. Schon im Vorlauf deutete sich an, dass die 24-Jährige in Braunschweig eine Klasse für sich sein würde. In 11,28 Sekunden ließ sie die Konkurrentinnen um mehr als zwei Zehntel hinter sich. Im Finale konnte sie sich dann noch einmal steigern. „Ich will mich in Barcelona so gut wie möglich verkaufen“, erklärte Verena Sailer. „Es wäre schön, wenn es mit dem Endlauf klappt.“ Einen schönen Achtungserfolg erzielte Anja Wurm (LG Stadtwerke München). Sie erreichte das Finale und wurde dort Achte in 11,83 Sekunden (Vorlauf: 11,79 Sekunden). Ebenfalls nur Nebendarstellerin in einer One-Woman-Show, nämlich der von Carolin Nytra (Bremer LT), war im 100 Meter-Hürden-Finale Jennifer Reinelt (1. FC Passau). Rang acht liest sich auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein Erfolg, doch in einer überaus starken Hürdensprinterinnen-Generation konnte sich Reinelt mit 13,58 Sekunden hervorragend behaupten. Im Vorlauf gelang ihr sogar mit 13,47 Sekunden eine exzellente neue Bestzeit.

Oliver Koenig im Aufwärtstrend

Deutlich nach oben zeigt die Formkurve von Weitspringer Oliver Koenig (LG Stadtwerke München). Nach einer langen Verletzungspause knüpfte er in Braunschweig mit 7,67 Meter wieder an die Spitzenergebnisse des Vorjahres an. Dass letztlich nur vier Zentimeter zu Bronze (Nils Winter; 7,71 Meter) beziehungsweise sogar Silber (Sebastian Bayer; 7,71 Meter) fehlten, ärgerte den Münchner wahrscheinlich erst mit einem gewissen Verzögerungseffekt. Elfte Plätze gab es jeweils für im 5000 Meter-Finale für Veronika Ulrich (LG Telis Finanz Regensburg) in 17:41,91 Minuten sowie im Dreisprung, wo Katharina Schreck (TS Herzogenaurach) bei 12,89 Metern landete.

Zwei heiße Eisen haben die Bayern am zweiten DM-Tag im Feuer, und das sogar in beiden 400 Meter-Hürden-Endläufen. Sowohl Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt-Gambach-Lohr; 56,51 Sekunden) wie überraschenderweise auch David Gollnow (TSV Erding; mit neuer persönlicher Bestzeit von 50,47 Sekunden) qualifizierten sich als Beste für das Finale. Ebenfalls in den Kampf um die Medaillen einreifen möchte Jonas Plass (asics Team Wendelstein), der mit 46,55 Sekunden die drittbeste Zeit ablieferte. In den Endläufen gibt es überdies ein Wiedersehen mit Martin Conrad (LAC Quelle Fürth) über 800 Meter (1:50,38 Minuten), Florian Orth (LG Teils Finanz Regensburg; 3:47,09 Minuten) und Falko Zauber (LAC Quelle Fürth; 3:47,89 Minuten) über 1500 Meter. Bei den Jugend-Staffelwettbewerben dürfen die Jungs TSV Höchstadt/Aisch über 3 x 1000 Meter mit 7:33,93 Minuten sowie der LAC Quelle Fürth mit 7:38,08 Minuten, das weibliche Fürther 800-Meter-Trio mit 6:56,37 Minuten und die männliche 4 x 400 Meter-Staffel der DJK Friedberg mit 3:19,81 Minuten (zweitbeste Zeit!) am Sonntag um die Medaillen laufen.

Fotos: Theo Kiefner