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23.02.20 22:49 Alter: 100 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport
Von: Reinhard Köchl

DM Halle Leipzig 2: Gröll, Hering und Schwab sorgen für goldenen bayerischen Sonntag

Durchaus ansehnlich war die bayerische Bilanz am Ende der Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig. Insgesamt holten die Sportlerinnen und Sportler aus dem Freistaat elf Medaillen, davon je vier goldene und silberne sowie drei Mal Bronze. Allein am zweiten Tag hab es noch einmal drei Titel, durch Hochspringerin Laura Gröll, 800-Meter-Läuferin Christina Hering und 400-Meter-Sprinterin Corinna Schwab, jeder davon ein besonders emotionaler.


Der Freudensprung nach dem Siegersprung: Für Laura Gröll ging mit dem DM-Titel von Leipzig ein langer Alptraum zu Ende.

Erfolgsteam: Laura Gröll hat mit Bundesstützpunkttrainer Sebastian Kneifel intensiv an ihrem famosen Comeback gearbeitet.

Da lag Katharina Trost noch vor Christina Hering. Doch am Schluss nahm die Freiluftmeisterin über 800 Meter erfolgreich Revanche für die Hallen-Niederlage im Vorjahr an gleicher Stelle.

Endlich! Auch für Corinna Schwab ging mit ihrer ersten Meisterschaft bei den Frauen in Leipzig ein lang gehegter Wunschtraum in Erfüllung. Darüber hinaus gelang ihr ein ein neuer bayerischer Hallenrekord über 400 Meter.

Zwei, die über 400 Meter aufhorchen ließen und jeweils einen neuen bayerischen Rekord aufstellten: Mona Mayer (links) und Corinna Schwab (Zweite von rechts).

Ein fast deckungsgleiches Ergebnis gab es für Tobias Potye im Vergleich zur Hallen-DM 2017 in Leipzig. Damals wie heute wurde er mit 2,20 Meter Zweiter.

Stolze Medaillengewinnerinnen: (von links) die Deutsche 200-Meter-Meisterin Jessika-Biance Wessolly und die Vizemeisterin Amelie-Sophie Lederer.

Schnelle Staffel: (von links) Katrin Fehm, Corinna Schwab, Maike Schachtschneider und Mona Mayer ergatterten bei ihrem ersten Auftritt über 4 x 200 Meter auf Anhieb den Vizemeistertitel.

Für Kerstin Hirscher blieb im 1500-Meter-Finale leider nur der Platz neben dem Treppchen.

Zufrieden sein kann Gabriel Wiertz mit seinem sechsten Rang im Dreisprung. Alle Fotos: Theo Kiefner

Neun der elf Podestplatzierungen gehen dabei einmal mehr auf das Konto der beiden großen "Player" in der bayerischen Leichtathletik LG Stadtwerke München (fünf) und LG Telis Finanz Regensburg (vier), über die beiden anderen Medaillen durften sich das LAC Passau (Gold für Weitspringer Maximilian Entholzner) und die LG Augsburg (Bronze für Sprinter Aleksandar Askovic) freuen.

Wieder Duell zwischen Christina Hering und Katharina Trost

Seit dem Jahr 2015 stellt die LG Stadtwerke München die Siegerin über 800 Meter der Frauen, und so sollte es auch in diesem Jahr sein. Mit souveränen Halbfinalsiegen zogen Christina Hering, Mareen Kalis und Katharina Trost am Samstag in den Endlauf ein (wie berichteten). Diesen ging Trost schnell an, sodass einzig Hering das Tempo mitgehen konnte. Zu den übrigen Teilnehmerinnen tat sich früh eine Lücke auf. Trost stellte zum wiederholten Male unter Beweis, dass sie ihre Paradestrecke konstant schnell laufen konnte. Unmittelbar vor der Schlussrunde ging Hering an ihrer Trainingspartnerin vorbei und kam dank eines unwiderstehlichen Endspurts in neuer deutscher Hallenjahresbestzeit von 2:02,14 Minuten als Erste ins Ziel. Trost folgte knapp dahinter mit neuer persönlicher Hallenbestzeit von 2:02,74 Minuten. Kalis, die mit diesem Rennen ihre Karriere beendete, wurde mit 2:08,09 Minuten Fünfte.

Für eine gemeinsame Ehren- und Abschiedsrunde nahmen die Münchner Medaillengewinnerinnen Kalis dann in die Mitte und genossen sichtlich den Applaus der 3750 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Arena. Für Statistiker: Hering wurde in Leipzig bereits zum fünften Mal Deutsche Hallenmeisterin über diese Distanz. Genauso oft hat sie sich auch unter freiem Himmel den 800-Meter-Titel der Frauen gesichert.

Laura Gröll Sensationssiegerin im Hochsprung

Während der Erfolg der Münchnerinnen über die vier Hallenrunden einigermaßen vorhersagbar war, schien in der Hochsprung-Konkurrenz der Frauen alles offen. Mit im Vorfeld übersprungenen 1,84 Meter gehörte Laura Gröll (LG Stadtwerke München) zum Favoritinnenkreis, was sie bestätigte, indem sie die drei Anfangshöhen jeweils im Erstversuch übersprang. Ab 1,83 Meter machte sie es dann deutlich spannender. Erst im dritten Anlauf erarbeitete sie sich diese Höhe. Die Bronzemedaille hatte die 21-Jährige Münchnerin zu diesem Zeitpunkt bereits sicher.

Gegen die im Wettbewerb verbliebenen Katarina Mögenburg (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Bianca Stichling (TSG 1862 Weinheim) ging es nun um mehr. Und es wurde zunehmend spannender, denn alle drei Springerinnen mussten in die Drittversuche. Dabei ging es um viel für Laura Gröll: Endlich wollte sie einen jahrelangen Alptraum beenden, der sie seit zwei Ermüdungsbrüchen im Sprungfuß immer wieder heimsuchte und sie zweitweilige sogar dazu brachte, über das Ende ihrer Karriere nachzudenken. Der letzten Versuch über 1,86 Meter wurde dann für sie zum Traum. Nach geglückter Lattenüberquerung konnte sie ihr Glück kaum fassen. Es flossen Freudentränen. 

Danach dauerte es einige Minuten, bis sie sich gemeinsam mit Bundesstützpunkttrainer Sebastian Kneifel und Coach Lukas Pinieck darauf eingestellt hatte, dass der Wettbewerb für sie noch nicht beendet war. Nach erreichter Saisonbestleistung ließ Gröll 1,90 Meter auflegen, die sie noch nie zuvor übersprungen hatte. Besonders die Versuche zwei und drei über diese Hohe sahen sehr vielversprechend aus und lassen auf einen erfolgreichen Sommer hoffen. Für Gröll war es der überhaupt erste Titelgewinn bei einer deutschen Meisterschaft. Ihr bislang größter Erfolg war Platz drei, ebenfalls bei den Frauen, im Sommer 2017.

Corinna Schwab verbessert 38 Jahre alten bayerischen Rekord

Ist die tatsächlich ein "neues Gesicht", wie leichtathletik.de schrieb. Immerhin darf sich Corinna Schwab (LG Telis Finanz Regensburg) amtierende U 20-Weltmeisterin mit der 4 x 100-Meter-Staffel nennen, startete 2018 bei der Heim-EM in Berlin und gehörte im vergangenen Jahr der Bronzestaffel bei der U 23-DM an. Diesmal zeigte die 20-jährige Oberpfälzerin jedoch zum ersten Mal bei den Frauen, dass alle nationalen Entscheidung künftig über sie gehen. In Leipzig präsentierte sich Schwab in bestechender Form. In 52,65 Sekunden und damit in deutscher Jahresbestzeit holte sie sich ihren ersten deutschen Meistertitel und ließ der starken Laura Müller (LC Rehlingen), die in 52,92 Sekunden zum zweiten Mal in ihrer Karriere in der Halle unter 53 Sekunden blieb, keine Chance. Für Schwab war es zudem ein neuer bayerischer Hallenrekord, den vor ihr 38 Jahre lang keiner Geringere als Olympionikin Mary Wagner (TSV 1875 Göggingen) gehalten hatte!

„Der Winter gibt mir riesige Motivation auf dem Weg in Richtung Sommer“, sagte Schwab. Es war das stärkste Finale bei Deutschen Hallenmeisterschaften über diese Strecke seit 2014. Insgesamt steigerte Schwab ihre Bestzeit von 53,60 Sekunden, die sie erst am Samstag im Vorlauf aufgestellt hatte, nochmals um fast eine Sekunde. Fast hätte ihr Vereinskameradin Mona Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) als Vierte eine weitere Medaille nach Regensburg geholt. Die erst 18-Jährige, die sich am Samstag sensationell auf 53,35 Sekunden gesteigert, einen neuen bayerischen U 20-Hallenrekord aufgestellt hatte und auf Platz eins der europäischen Rangliste in ihrer Altersklasse gestürmt war, wurde erst auf den letzten Meter von Hannah Mergenthaler (MTG Mannheim) vom Sockel gestoßen. Dennoch lieferte Mayer mit 53,50 Sekunden wieder ein Spitzenzeit, die abermals deutlich unter ihrer Freiluftbestleistung liegt.

Déjà-vu für Vizemeister Tobias Potye

Einen weiteren Münchner Hochsprung-Erfolg erzielte Tobias Potye (LG Stadtwerke München), der am Sonntag so etwas wie ein mehrfaches Déjà-vu gehabt haben dürfte. 2017 sprang Potye schon einmal in der Arena Leipzig und gewann damals mit einer Höhe von 2,20 Meter die Vizemeisterschaft hinter dem Europameister von 2018, Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Damit wäre auch die sonntägliche Geschichte weitestgehend erzählt. Einen Unterschied macht sicherlich, dass Potye, der sich im Sommer 2018 bis auf 2,27 Meter steigerte, in diesen Wochen seine ersten Wettkämpfe nach mehr als einjähriger Verletzungspause bestreitet. Diesmal benötigte er bei 2,10 Meter und 2,20 Meter zwei Versuche, die 2,14 beziehungsweise 2,17 Meter meisterte Potye mit Minimalaufwand. Dass er die Versuche über 2,23 Meter, die eine neue Hallen-PB bedeutet hätten, nur äußerst knapp gerissen hat, lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Der bayerische Rekordhalter der LG Stadtwerke München ist zurück!

Silber für Amelie-Sophie Lederer über 200 Meter

Gleiches kann man getrost von Amelie-Sophie Lederer (LG Telis Finanz Regensburg) behaupten. 2017 noch mit bayerischem 100-Meter-Rekord und Mitglied der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel bei der WM in London, mühte sie sich seither, wieder die alte Form zu erreichen. Nach dem Trainerwechsel zu BLV-Sprintcoach Patrick Saile und einem Vereinswechsel kam am Samstag nach einem vielversprechendem Vorlauf über 60 Meter im Halbfinale ein Fehlstart hinzu. Lederer ließ sich jedoch nicht entmutigen und trat tags darauf über 200 Meter an, eine Strecke, die sie in der Vergangenheit eher selten absolvierte. Nach bravourösen 23,66 Sekunden setzte die 25-Jährige im Finale auf der ungünstigen Bahn vier noch einen drauf: In 23,62 Sekunden erzielte sie nicht nur neue persönliche Bestzeit, sondern schnappte sich auch noch hinter Faboritin Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim; 23,37 Sekunden) Silber. Auf einem starken vierten Rang landete U 20-Athletin Svenja Pfetsch (SC Vöhringen) in 24,02 Sekunden. Auch sie blieb im Halbfinale mit 23,81 Sekunden zum ersten Mal in de Halle unter 24 Sekunden!

Regensburg holt Staffel-Silber, München Bronze

Über erfreulich aus bayerischer Sicht waren auch die beiden 4 x 200-Meter-Staffel-Medaillen am Schluss der Meisterschaften in der Arena Leipzig. Zunächst gab es für das neuformierte Quartett der LG Telis Finanz Regensburg mit Corinna Schwab, Maike Schachtschneider, Mona Mayer und Katrin Fehm in einem "wilden" Rennen Silber in 1:36,14 Minuten, nachdem die MTG Mannheim wegen eines Bahnfehlers disqualifiziert worden war. Bronze heimste bei den Männern die LG Stadtwerke München ein, deren Quartett aus drei U 20-Athleten sowie einem U 23-Sprinter bestand. Fabian Olbert, Jakob Matauschek, Vincente Graiani und der „Stubenälteste“ Yannick Wolf benötigten für die vier Bahnumrundungen gerade mal 1:25,69 Minuten, was ihnen hinter Bayer Leverkusen sowie dem TV Wattenscheid auch eine Verbesserung des im vergangenen Jahr durch eine Münchner Jugendstaffel aufgestellten bayerischen U 23-Rekords einbrachte.

Gewürdigt werden soll auch die Leistung von Kerstin Hirscher (LAC Quelle Fürth) über 1500 Meter. In einem couragierten Finale blieb ihr zwar der Sprung aufs Treppchen versagt. Mit Platz vier in 2:27,06 Minuten kann die Mittelstrecklerin jedoch allemal zufrieden sein. Gleiches gilt für Dreispringer Gabriel Wiertz (TuS 1860 Pfarrkirchen). Mit 14,63 Metern belegte er am Schluss Rang sechs.